
Es ist still, nur das mal mehr, mal weniger starke Vorbei-Rauschen der Luft ist zu hören, als der Gleitschirm sanft über den Bergkuppen dahinschwebt. In der Ferne spiegelt sich die große, glitzernde Oberfläche des Chiemsees wieder, auch einzelne Boote sind deutlich zu erkennen.
In einem stetigen Auf und Ab kommen die Baumkuppen den Füßen abwechselnd näher oder entfernen sich wieder. Ab und an ertönt das laute Pfeifen des Variometers, sodass der Pilot die Aufwinde optimal nutzen kann. Fast eine halbe Stunde kann man so in der Luft bleiben und das einzigartige Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit beim Paragliding genießen.
Dabei ist schon der Start für jeden Anfänger ein Erlebnis. Das erste Mal hebt man natürlich im Tandem zusammen mit einem erfahrenen Piloten ab. Je nach Startpunkt können die Anlauf-Wege recht lang oder auch sehr kurz und steil sein. So reichen nach dem Kommando "Und los!" oft nur wenige Schritte, bis der Gurt das eigene Gewicht abfängt und den Körper sanft vom Boden weg in luftige Höhen zieht. Ist dann eine bequeme Sitzposition gefunden, stellt sich die besondere Ruhe des Gleitschirmfliegens ein. Kein Motorenlärm stört, kein Glas oder Metall umgibt den Menschen, nur der pfeifende, fordernde Flug-Wind ist auf der Haut zu spüren.
Ganz langsam kommt der Boden schließlich immer näher, für die Landung ist dann noch einmal vollste Konzentration gefordert. Während der Pilot den Schirm stark bremst, gilt es für den Gast-Passagier fleißig mitzulaufen, um dann den restlichen Schwung aus der Luft mitabzufangen und auf der Wiese sicher zum Stehen zu kommen. Danach heißt es durchatmen und die gewonnen Eindrücke zu verarbeiten, denn das Paragliding gehört zu den naturverbundensten Arten des Fliegens ohne Lärm, ohne schädlichen Emissionen und ohne abschirmende Materie zwischen Körper und Luft.
Zahlreiche, ideale Gebiete zum Gleitschirmfliegen bieten dabei vor allem auch die bayrischen Alpen. Die Hochries am Samerberg kann beispielsweise mit einer wunderbaren Aussicht auf die Voralpenlandschaft sowie den Chiemsee überzeugen. Eine ebenso malerische Kulisse aus der Vogelperspektive liefert der Wallberg am Tegernsee, der für drei Windrichtung jeweils einen geeigneten Startplatz bietet. In Münchner Nähe finden sich dabei für jeden Schwierigkeitsgrad und Landschafts-Anspruch passende Startpunkte, um mit dem Gleitschirm abzuheben. So empfiehlt sich auch das für Anfänger ungeeignete, sehr anspruchsvolle Berchtesgadener Fluggebiet am Jenner mit atemberaubenden Blick über den Königssee und auf den Kehlstein.
Wer nicht nur als Passagier im Tandem, sondern auch eigenständig in deutschen Fluggebieten paragliden möchte, muss allerdings vorher noch einmal die Schulbank drücken und über die Grund- und Höhenflugausbildung den beschränkten Luftfahrerschein erwerben. Für Streckenflüge wird weiterhin der unbeschränkte Luftfahrerschein vorausgesetzt. Dabei werden die zukünftigen Gleitschirmflieger auf jeder Ausbildungsstufe nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch in verschiedenen Fächern, wie Meteorologie, Luftrecht, Aerodynamik und Verhalten in besonderen Fällen unterrichtet. Mit erfolgreichem Absolvieren der Prüfungen ist man dann Schritt für Schritt dazu berechtigt, selbständig den Gleitschirm zu kontrollieren. Man hat gelernt, die Thermik sinnvoll zu nutzen und kann schließlich das Fliegen, so frei wie ein Vogel, in vollen Zügen genießen.
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