Ein Gespräch mit Pit Schubert, dem Sicherheitspapst des DAV, möchten wir zum Anlass nehmen, die Sicherungstechnik beim Klettern zu erläutern. Natürlich ist es nicht schön, sich mit Kletterunfällen zu beschäftigen, aber durch Unfälle kann man mehr lernen, als in Kletterkursen. Schließlich ist es doch genau das, was einen Mensch vom Tier unterscheidet, dass der Mensch von Fehlern anderer lernt.
Pit Schubert hat über Jahrzehnte hinweg Kletterunfälle analysiert und Kletterausrüstung für alle erdenklichen Situationen getestet. Seine Buchserie "
Sicherheit und Risiko in Fels und Eis *" ist sehr zur empfehlen und eigentlich ein Muss für jeden Sicherheitsbewussten Kletterer. Mit unter durch diese Bücher wurde die Sicherungstechnik und Kletterausrüstung entscheidend verbessert, was Klettern heute zu einer relativ sicheren Sport macht.
Generell können Kletterunfälle in zwei Kategorien eingeteilt werden. Die eine Kategorie beinhaltet Unfälle, die auf die falsche Handhabung der Sicherungstechnik, sozusagen auf Sicherungsfehler zurückzuführen sind. In die andere Kategorie fallen Gefahren, die der Kletterer nicht direkt beeinflussen kann wie die Kletterausrüstung, Steinschlag oder das Wetter. Erfahrene Kletterer ziehen die objektiven Gefahren in ihre Entscheidungen zur Sicherungstechnik mit ein und versuchen so, diese Gefahren zu reduzieren.
Anbei einige Szenarien, die immer wieder passieren:
- Kletterer seilt ab, Seilende ist zu kurz
- Vorsteiger schafft eine Tour nicht, 2. Kletterer hängt beim Nachstieg die Exen aus inkl. der Obersten
- Falsche Tuberhandhabung (Hand oben, Daumen am Gerät, Sicherer steht zu weit von der Wand weg -> geringere Bremswirkung)
- Einbinden über die Materialschlaufe
- Seil beim Ablassen zu kurz
Aber es gibt auch kuriose Unfälle, die passieren, obwohl man sich sowas nicht vorstellen kann:
- In München Thalkirchen wurde als Umlenkung lange ein Geländer benutzt. Der Vorsteiger kletterte hierfür durch das Geländer und wurde oben über die Stange des Geländers abgelassen. Das ging so lange gut, bis ein Nachsteiger ebenfalls durch das Geländer stieg und oben über die Stange abseilen wollte...
- Abseilender Kletterer wackelt am Seil, um zu überprüfen, ob beide Enden am Boden sind. Er sieht zwei sich bewegende Enden, seilt ab und stürzt ab. Was war passiert? Ein Ende, das der Kletterer am Boden gesehen hatte war nur der Schatten. Das eigentliche Ende hing auf 5 Meter Höhe.
Damit solch überflüssige Unfälle nicht passieren, sollte man sich das Klettern kompetent zeigen lassen.
Laut des DAV Sicherheitskreises ist für alpine Touren immer noch die HMS-Sicherung die richtige Wahl. So besitzt der HMS von Natur aus eine Eigenschaft, die der Sicherungskette bei Mehrseillängen sehr entgegenkommt. Wenn ein Kletterer nachsteigt, besitzt der HMS die volle Bremswirkung. Beim Vorstieg jedoch hat der HMS eine halbe Umwindung weniger und daher auch eine geringere Bremswirkung. Das kommt der Sicherungskette entgegen, da Zwischensicherungen bei einem Sturz die doppelte Belastung aushalten muss. Durch das weichere Sichern werden also die Zwischensicherungen weniger belastet.
Das Kletterseil ist der wichtigste Ausrüstungsgegenstand und daher umfassend getestet. Ein Kletterseil kann bei einem normalen Sturz nicht reißen. Dies gilt am Knoten, wie auch an der umlenkenden Exe oder im Sicherungsgerät. Damit ein Seil reißt, muss entweder eine scharfe Kante oder Chemie mit im Spiel sein. Diese beiden Faktoren sind aber höchst gefährlich. Solche Seilrisse kamen in den letzten 40 Jahren rund 20 mal vor. Hier reichen schon kleine Stürze, damit ein Seil reißt. So ist beispielsweise in einer Kletterhalle ein Unfall passiert, bei dem das Seil am Umlenker zwischen dem Schnapper und dem Karabiner eingeklemmt war. Hier reichte etwa ein Meter ablassen, bis das Seil durchgeschnitten war. Scharfe Felskanten sind verantwortlich für die anderen Seilrisse. Deshalb sollte man für alpine Kletterrouten immer Zwillingseile verwenden.
Auch Karabiner können brechen. In Längsrichtung ist dies bei geschlossenem Schnapper nicht möglich, aber bei aufgedrücktem Schnapper sieht das ganz anders aus. Bereits ein Einmeter-Sturz kann dann schon den Bruch des Karabiners auslösen. Deshalb immer zwei überkreuzte Karabiner verwenden, wenn sich ein Schnapper aufdrücken könnte.
An dieser Stelle können wir solche Gefahren in der Sicherungstechnik nur oberflächlich ansprechen. Im Interesse der eigenen Sicherheit sollte sich aber jeder Kletterer entsprechend informieren.
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