Höchste Konzentration und ein ausgeprägtes Gleichgewichtsgefühl sind gefragt beim Slacklinen dem Balancieren auf einem meist zwischen zwei Bäumen gespannten Nylonseil. Doch mit dem klassischen Hochseil aus der Artistik hat die Slackline nur wenig zu tun, schließlich heißt sie übersetzt "Schlaffseil" und gibt unter dem Gewicht des Slackliners nach, der diese Eigendynamik aktiv ausgleichen muss.
Gerade für Kletterbegeisterte bietet die Trendsportart somit eine optimale Möglichkeit, um die Balance zu verbessern und das
Klettertraining damit zu ergänzen.
Wer allerdings glaubt, Slacklining ist bloßes Laufen auf einem Seil, liegt falsch. Es werden nämlich allein neun verschiedene Arten der Slackline unterschieden. Die meist verwendete Form ist dabei die Lowline, also eine niedrig gespannte Line über weichem Boden, auf der unterschiedliche Tricks wie Laufen, Knien, Umdrehen oder Liegen ausprobiert werden können. Die Long Lines hingegen sind deutlich länger, sodass nicht nur erhöhte Konzentration, sondern auch besondere Körperbeherrschung vom Slackliner gefragt sind. Kommt die Line einmal in Schwingung ist ein Ausgleichen dieser nur noch schwer möglich. Hoch hinaus geht es dann mit der Highline, die oft auch auf bis zu mehreren hundert Metern Höhe über Abgründen oder Schluchten gespannt wird.
Bei der Freestyle-Line werden dem Sportler ebenfalls hohe Balance-Fähigkeiten abverlangt, denn hier wird die Slackline nicht straff, sondern nur schlaff gespannt, sodass ihr Begehen deutlich schwerer wird. Eine Besonderheit stellen zudem die über stehende oder fließende Gewässer gespannten Waterlines dar, die aufgrund des fehlenden fixen Untergrunds häufig einem höheren Schwierigkeitsgrad zugeordnet werden, als Slacklines über festem Boden. Hinunterfallen ist über Wasser allerdings meist weniger gefährlich und eignet sich somit gut, um schwierige Tricks, wie Sprünge oder Salti, einzuüben.
Wenn man die Sprünge beherrscht, bieten sich dann spezielle, straff gespannte Jumplines an, um diese auch über normalen Grund auszuführen. Eine besondere Atmosphäre bietet weiterhin auch das Darklining, also das Balancieren im Dunkeln, bei dem sich der Slackliner nur auf sein Gehör und Gefühl verlassen muss.
Aber nicht nur die Vielfältigkeit kann Sportler für die Slackline begeistern, auch die große Flexibilität zieht neue Anhänger magisch an. Schließlich braucht man nicht viel, um sein Gleichgewicht nach Herzenslust schulen zu können. Zwei Fixpunkte, wie kräftige Bäume oder Geländer, und eine Line genügen zu Beginn. Meist wird dabei für Letztere ein 25mm breites Flachband benutzt. Allerdings sollte bei der Verwendung von Bäumen zur Befestigung auf den Schutz der Rinde geachtet werden, zum Beispiel mit Hilfe von Teppichen als Puffer. Zu beachten gilt auch der Einsatz des richtigen Materials. So eignet sich Kletterzubehör nicht zwingend für die Fixierung der Slackline, denn nur Stahlkarabiner verfügen über die entsprechend hohe Belastbarkeit, die beim Slacklining auftreten kann.
Selbst bei sicherer und fachgerechter Spannung bleibt allerdings auch bei dieser auf den ersten Blick harmlos wirkenden Sportart ein Verletzungsrisiko. Vor allem Umknicken im Knöchel ist keine Seltenheit. Besondere Vorsicht ist also gerade in den Anfängen geboten, um den Abstieg von der Slackline möglichst kontrolliert zu gestalten. Eine geringe Spannhöhe und ein weicher Untergrund ohne Stolpersteine oder Wurzeln können Verletzungen allerdings gut vorbeugen.
Wer übrigens Lust an der ursprünglich aus amerikanischen Nationalparks der 80er Jahre stammenden Trendsportart gefunden hat, den lässt sie selten wieder los. Denn Barfuß unter freiem Himmel über ein Seil zu balancieren birgt einfach ein einzigartiges Lebensgefühl.
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