Klettern ist eine wunderschöne Sportart. Doch kann diese durch falsch angewandte oder falsch erlernte Sicherungstechnik auch zu einer gefährlichen Sportart werden. Niemand sollte so blauäugig sein und glauben: Jetzt habe ich mir beim Sport .... für 1000 Euro die beste Ausrüstung gekauft, dann kann mir auch nichts mehr passieren. Ich möchte jetzt niemandem Angst machen - ganz im Gegenteil. Ich liebe Klettern und freue mich für jeden, dem diese Sportart auch gefällt. Doch sollte sich jeder bewusst sein, dass man, bevor man allein zum Klettern geht, zuerst einen Kurs besuchen sollte. In den nächsten Zeilen werde ich einige Punkte zur Sicherungstechnik erwähnen, die ich als sehr wichtig empfinde.
Noch was, bevor ich anfange: Glaube nie jemandem, ohne selber über das Thema nachzudenken (auch nicht mir). Überlege dir selbst, ob das Gesagte so stimmt bzw. probiere auch die ein oder andere Situation selbst aus (aber nur in sicherem Gelände!!). Nur so kannst du dir Deine eigene Meinung bilden.
Es gibt viele verschiedene Sicherungsmethoden - sichere und nicht so sichere. Wenn du von jemandem lernst, mit dem
Abseilachter zu sichern, würde ich das lieber nicht machen. Es gibt zwar viele, die zu Gunsten der Bequemlichkeit auf etwas Sicherheit verzichten. Beim Abseilachter (wie der Name schon sagt, der ist zum Abseilen da) läuft das Seil relativ locker um das Metall, was eine schlechtere Bremswirkung hervorruft, als beim HMS (Halbmastwurf), bei dem das Seil über das Seil läuft und sich somit fast von selbst abklemmt.
Genauso umstritten wie das Sichern mit dem Achter ist der Bullinknoten zum Einbinden. Da sich dieser Knoten leichter
öffnen lässt, wird er seit einiger Zeit wieder angewandt. Dass durch diesen Knoten schon einige schwere Unfälle
passiert sind (weil er eben leicht aufgeht) interessiert heute niemanden mehr. Gut - man fädelt ihn heute wieder zurück -
ich würde ihm aber trotzdem nicht vertrauen. Meine Empfehlung: Achter.
So, die beiden umstrittenen Punkte habe ich gleich zu Anfang gewählt. Die folgenden Punkte werde ich
kurz anschneiden:
- alle Sicherungspunkte, die beim ungewollten Aushängen zum Absturz führen würden, immer mit einem
Schraubkarabiner sichern (z.B.: Umlenkung beim Top Rop, HMS-Sicherung, beim Abseilen den Achter etc.).
- beim Einhängen der Zwischensicherung darauf achten, dass das Seil nach vorne aus dem Karabiner herausläuft,
weil es sich sonst beim Sturz aushängen kann.
- nie bei einer Umlenkung das Seil durch ein anderes fädeln, da die durch die Reibung entstehende Hitze die Umlenkung durchschmelzen würde (auch kein Seil durch einen Haken fädeln, in dem bereits eine Schlinge fixiert ist!!!).
Karabiner verwenden oder abseilen.
- wenn beim Abseilen das Seil nicht
100 prozentig bis zum Boden reicht, immer in beide Seilenden jeweils einen
Knoten machen (wenn ein Seilende zu kurz ist, käme es sonst zum Absturz). Es ist einmal folgender Unfall beim Abseilen passiert. Der Kletterer hatte am Seil gewackelt und sah am Boden zwei sich bewegende Enden. Dass eines der Enden nur der Schatten war bemerkte er leider zu spät.
- beim Sichern immer die Zugrichtung beachten (wenn der Sichernde mehrere Meter von der Wand entfernt steht, wird er bei einem Sturz des Kletternden an des Fels gerissen und lässt refelxartig das Seil aus, um den eigenen Sturz abzufangen. Wenn nicht vom Körper aus gesichert wird, muss bei einer Zugrichtung nach oben der Sicherungspunkt immer unterhalb des Sichernden angebracht sein und umgekehrt. Was passiert, wenn bei einer Zugrichtung nach oben mit einer Bandschlinge gesichert wird, die auf Kopfhöhe am Fels fixiert ist, kann jeder selbst ausprobieren - aber bitte nicht in einer Sturzsituation).
- keinen Kletterer sichern, der wesentlich schwerer ist (außer du hast dich vorher selbst am Fels gesichert).
- beim Vorsteigen darauf achten, dass du nie den Fuss hinter dem Seil hast, weil du sonst bei einem Sturz am Seil hängen bleibst und mit dem Kopf voraus nach unten stürzt.
- Kritisch abwägen, wann du einen Helm oder Brustgurt brauchst und wann nicht (lieber einmal zu oft getragen, als einmal zu wenig - übrigens: auch Karabiner können fliegen).
- Vertraue nicht allem, was so in der Wand rumhängt. Schlingen verwittern mit der Zeit und Haken können
rosten. Deshalb: ein kritischer Blick kann nie schaden und lieber mal selber eine Schlinge reinhängen als...
Im Klettersporthandel gibt es Literatur mit Unfallstatistiken, die ich jedem empfehlen möchte. Nicht zum Abschrecken, sondern um aus den Fehlern anderer zu lernen. Heutzutage ist die Kletterausrüstung tatsächlich so sicher geworden, dass die meisten Unfälle auf Grund menschlichen Versagens passieren. Wenn man aber gewisse Sicherheitsregeln einhält, dann ist Klettern wesentlich sicherer als Autofahren.
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