
Die Angst vor einem Sturz ist ein limitierender Faktor beim Klettern, denn mit Sturzangst konzentriert man sich mehr auf die nächsten Haken, als darum, wie man am Besten die nächste Kletterstelle bezwingen kann. Somit greift man nicht auf sein komplettes Kletterkönnen zurück. Weiter neigt man mit Sturzangst dazu, Fehler in der Sicherungstechnik zu begehen, indem man das Seil zu früh einhängt oder bei einem drohenden Sturz versucht, sich an der Expresse festzuhalten. Diese Fehler sind dann meist der Anfang einer Verkettung von Fehlern, die häufig in Unfällen enden.
Jeder Kletterer hat einen gewissen Respekt vor einem Sturz. Gute Kletterer trainieren das Stürzen regelmäßig und können so ihre Sturzangst verringern bis ganz ausschalten. Doch worin begründet sich die Sturzangst?
Vor einem Sturz haben viele Kletterer Angst, weil man sich dabei am ehesten verletzt. Aber stimmt vorige Aussage überhaut? Nein, von den meisten Verletzungen sind die Finger durch Überbelastung betroffen.
Beim richtigen Stürzen und Sichern ist der Sturz nicht gefährlich. Um die korrekten Abläufe aber zu automatisieren, ist regelmäßiges Sturztraining unerlässlich.
Beim Sturztraining ist es wichtig, dass man ausschließlich positive Erfahrungen mit dem Stürzen macht und so der Körper mit der Zeit lernt, dass das Fallen ins Seil nichts negatives ist und zum Klettern dazugehört.
Wichtig beim Sturztraining ist es, vom Einfachen zum Schweren zu üben. Das heißt, die ersten Stürze sollten möglichst kurz, evtl. sogar nur mit Schlappseil beim Top Rope Klettern. Als Übung ganz am Anfang bietet es sich auch an, wenn der Kletternde im straffen Top Rope Seil selber aktiv nach oben springt. Nach 2-3 Stürzen kann man dann das Seil etwas lockern bis hin zum Schlappseil. Nach weiteren Sprüngen kann man sich dann der Vorstiegssituation nähern, indem der Kletterer mit der Hüfte knapp über den Haken steigt.
Weiter eignet sich das sogenannte "Clip and drop" Training, um mit dem Stürzen zu beginnen. Dabei steigt man eine leichte Tour in sicherem Gelände vor und springt direkt nach dem Einhängen ins nicht straff gezogene Seil. Diese einfach Übung kann man dann steigern, indem man nach dem Einhängen noch einen Zug klettert usw.
Dieses Training kann man später mit vielen Varianten durchführen, wie beispielsweise das Stürzen während des Einhängens (bitte nicht an der dritten Exe!!!). Eine lustige Variante stellt das "tschechische Abbauen" dar. Anstatt nach einem Vorstieg das Seil durch den Umlenker zu fädeln, wird einfach die Exe ausgehängt und gesprungen. Das Gleich dann mit der nächsten Exe und so weiter. Die letzte Exe (evtl. auch letzten zwei Exen) sollte man dann aber doch hängen lassen.
Mit einem so aufgebauten Sturztraining kann jeder Kletterer bei regelmäßigem Üben seine Sturzangst abbauen. Wichtig hierbei ist auch immer, dass der Sichernde zuverlässig seiner Aufgabe nachgeht und bei der Sache ist. Denn nichts kann dem Kletternden mehr Angst bereiten, als das Gefühl, sein Leben einem unaufmerksamen Sicherungspartner anzuvertrauen.
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