
Die Pursteinwand in Sand in Taufers wurde heuer komplett saniert! Dies nehme ich zum Anlaß, das Klettern im Ahrntal kurz vorzustellen.
Die Pursteinwand ist der bedeutendste Klettergarten im Ahrntal. Eigentlich sind es sogar zwei Klettergärten, nämlich der untere und der obere. Den unteren Klettergarten kann man gar nicht übersehen. Er befindet sich direkt hinter dem Möbelhaus Jungmann am Ortseingang von Sand. Hier findet ihr ca. 30 Routen. Die Schwierigkeiten bewegen sich von sehr leichten Plattenrouten bis hin zur auch erstaunlich flachen schwersten Route an der ganzen Pursteinwand: Sputnik (ca. 8c). Der Fels im unteren Klettergarten ist typischer Gneis! Damit dominieren Leisten, Aufleger und Seitgriffe. Zum Angewöhnen an die spezielle Klettertechnik, die auch im oberen Klettergarten gefordert ist, empfehle ich, die zwei leichten Routen ganz links und dann Max und Moritz 6b zu klettern!
Der obere Klettergarten ist allerdings der Interessantere. Ihr findet ihn, indem ihr dem breiten Feldweg hinterm Möbelhaus folgt, bis dieser wieder bergab geht. Dort geht rechts ein Steig in den Wald, der in fünf Minuten zum Fels führt. Hier gibt es 30 Routen. Am Vorbau befinden sich einige, eher unlohnende, sehr leichte Routen. Interessant wird es mit dem sehr schönen Aufwärmer Bleifuß 6a+. Der Fels ist hier etwas anders als im unteren Klettergarten, denn man befindet sich in einem gigantischen Ausbruchbereich, wodurch sich der Fels eher wie Kalk anfühlt. Aber auch hier dominieren Aufleger, Leisten und Seitgriffe. Nur mit dem Unterschied, dass hier fast alles überhängt. Der Fels sieht auf den Fotos etwas brüchig aus. Stellenweise ist er tatsächlich etwas fragil. Das ist aber nicht wirklich schlimm, und wer einigermaßen erfahren ist, weiß schon, was bricht und was nicht! Für typische Hallenartisten ist der obere Klettergarten vielleicht in jeder Hinsicht sehr gewöhnungsbedürftig.
Jetzt ein Wort zu den Bewertungen. Ich habe in diesem Sommer festgestellt, dass sehr viele Routen abgewertet wurden, was wohl damit zusammenhängt, dass ein Südtirolführer erschienen sein soll. Wahrscheinlich wollten die Jungs dort krisensichere Bewertungen abliefern. Wenn ihr die Lokalmatadoren seht, wie sie einige Routen zum wahrscheinlich 100sten oder auch 300sten mal klettern, wundern einen die Abwertungen auch nicht! Also mein Tip: Fragt nach den Bewertungen, aber rechnet damit, daß die Routen teilweise erheblich schwerer sind. Das Argument, die Kletterei sei ich nicht gewohnt, zieht bei mir nicht, da ich die Wand seit 9 Jahren kenne und zum Glück auch die alten Bewertungen. Nehmt die Bewertungen also besser nur als Hinweis. Wenn ihr hinfahrt, um 8er oder 9er zu spulen, seid ihr, je nach Können, wahrscheinlich an der falschen Stelle. Ich werde nun in der Folge bei meinen Routentips keine Bewertungen angeben.
Im rechten Wandteil dominiert Dach- und Wandkletterei mit Boulderstellen und Rastpositionen. Hier finde ich besonders gut: For Roses, Donald Duck, Dorftrottl, Rotlauf. Links von Bleifuß befinden sich die zwei Plattenkratzer Tango brutale und Schutzengel. Die zweite Seillänge von Schutzengel ist sehr interessant, auch deswegen, weil sie etwas luftiger gesichert ist, als die meisten anderen Routen. Links neben Schutzengel befindet sich mit RSL die schwerste Route im oberen Klettergarten. Wieder links daneben sind meine zwei Lieblingsrouten: Black out und Hokus Pokus!
Auch die Routen Streß und Mulle möchte ich empfehlen. Sie sind besonders lang, und Streß beginnt auch noch mit einem knackigen Boulder! Ihr werdet den Fels hier wahrscheinlich lieben oder hassen. Es ist halt eine bestimmte Technik gefordert, hangeln kann man hier nicht viel! Eine ausgefeilte Fußtechnik ist allerdings auch nicht gefragt, vielleicht beruhigt euch das!?! Wer also unter Sportklettern nicht nur das Abholen von Zahlen versteht (Die Liste ist das Leben) und wer den abgespeckten Kommerzklettermüll mit Anstehen in Arco satt hat, der sollte sich mal im Ahrntal oder in den Dolomiten umsehen. Vor allem ist das Klima hier im Sommer auch sportkletterfreundlicher als in der tropischen Fränkischen. Die Pursteinwand liegt auf auf ca. 1000m und ist südöstlich ausgerichtet. Im Sommer ist ab ca. 15.30 Uhr die Sonne heraus. Bei Regen und Gewitter kann man problemlos weiterklettern, da der Klettergarten everdry ist. Die Absicherung möchte ich als perfekt bezeichnen. Wer sich hier fürchtet, sollte Steckhalma spielen. Seit heuer sind fast alle Routen mit Salewa Klebehaken ausgerüstet, an denen ihr auch abbauen könnt. Die Sanierung wurde von den örtlichen Kletterern durchgeführt und teilweise von der örtlichen AV-Sektion und teilweise von den Kletterern selber finanziert! Danke, Leute! Da die Lokalmatadoren niemals die Griffe putzen, ist in vielen Routen nur Felskontakt möglich, wenn ihr selber die milimeterdicke Chalkschicht wegkratzt. Nehmt also einige sehr harte Zahnbürsten mit - die Routen werden wirklich erheblich leichter, wenn sie geputzt sind! Habt keine Hemmungen, die Jungs nach Infos über die Routen zu fragen, die sind alle sehr nett!
Kurzinfo Pursteinwand:
Fels:Gneis
Höhenmeter: 1000
Routenlänge: bis 35m, oft 2. Seillängen möglich!
Absicherung: Sehr gut
Jahreszeit: Ganzjährig, außer im Hochwinter
Weitere Klettermöglichkeiten im Ahrntal:
Tobelburg (2 Klettergärten)
Zustieg: Von Sand nach Rhein fahren. Auf dem Parkplatz Tobelburg parken.
1. Die Straße überqueren und direkt über viele Blöcke hoch zum Fels!
2. Rechtshaltend an der Straße entlang den Bach (Wasserfall) überqueren und danach rechts in den Feldweg einbiegen. Diesem ca. 10 Minuten bis zu seinem Ende folgen. Dann leicht rechts haltend an der Wand entlang absteigen bis zum gewünschten Sektor.
Beide Klettergärten bestehen aus klassischem Granit, ähnlich dem im Yosemite. Im Klettergarten oberhalb der Straße sind die Routen ca. 15- 20m lang. Die Schwierigkeiten beginnen bei ca. 6a+. An der großen Wand, die man übrigens von der Pursteinwand aus deutlich sehen kann, sind die Routen teilweise erheblich länger. Wenn man im Granit 7a nicht beherrscht, ist man hier allerdings eher fehl am Platz. Beide Wände sind südlich ausgerichtet und deshalb im Sommer an sonnigen Tagen eher nicht zu empfehlen, obwohl sie auf ca. 1200 m liegen. Wenn ihr nähere Infos sucht, fragt am besten die örtlichen Kletterer!
Für Softmover gibt es noch einen Klettergarten unterhalb des Speikbodens! Das Gebiet heißt Michlreis. Zufahrt /-stieg: Von Sand Richtung Luttach fahren. Wenn die Straße den Bach überquert, scharf links in eine kleine Straße einbiegen, die am Bach entlang Richtung Sand zurückführt. Direkt unterhalb des steilen Waldes befindet sich eine kleine Abseite und ein Schild, das zum Klettergarten weist. Dort steil den Wald hinaufsteigen. Die Routen sind senkrecht und etwa im Bereich 5 bis 6c.
Das Ahrntal ist für Leute, die gerne Berglaufen oder Bersteigen übrigens auch perfekt geeignet. Es stellt nämlich die Rückseite des Zillertaler Hauptkammes dar mit Highlights wie Hochfeiler, Weißzint, Möseler, Schwarzenstein, Rauchkofel. Oberhalb von Rhein befindet sich der bekannte Hochgall!
Anreise nach Sand in Taufers:
Nach Bruneck im Pustertal fahren. Von dort der Ausschilderung Ahrntal folgen. Nach 15 km seid ihr in Sand!
Viel Spaß beim Klettern
Routendatenbank:
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