Verlass dich nicht auf fränkische Sanduhren...
Kletterforum ->
Sicherungstechnik
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Anna Witt 


Beiträge: 985
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Beitrag vom: 16.09.2016 - 19:22
Nach nun zwei Abstürzen an fränkischen Felsen in den letzten Wochen,weil Sanduhren brachen, die nur durch Hineinsetzen (also nicht durch einen Sturz) belastet wurden, habe ich für mich beschlossen, zumindest den meisten fränkischen Sanduhren NICHT zu vertrauen!!!!!!
Sanduhren durch Bühler zu ersetzen, finde ich allerdings auch schwachsinnig. Man sollte sich halt nur nicht durch SS in falscher Sicherheit wähnen, sondern klettern, als wäre man im Solo,sich eine andere Route suchen oder gleich ganz topropen...
Den beiden Verletzten wünsche ich eine hoffentlich vollständige Genesung! |
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Martin Grulich 


Beiträge: 1067
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Beitrag vom: 16.09.2016 - 21:40
Ich personlich halte aus Sicherheitsgründen auch nicht so viel von Sanduhrschlingen in kurzen Klettereien wie in der Fränkischen. Wenn ein einzelner Sicherungspunkt versagt, führt das hier oft zum Bodensturz.
Früher haben die Erschließer gerne Sanduhren als Sicherungspunkte genutzt, weil man sich so das aufwendige Bohren (von Hand) für einen Haken gespart hat.
In den letzten 2 Jahren habe ich in einer meiner Routen und in einer Route von Karsten Oelze die Sanduhr durch Klebehaken ersetzt. Einer Sanduhr bzw. der Schlinge würde ich nur in den seltensten Fällen vertrauen.
Gruß Martin |
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Anna Witt 


Beiträge: 985
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Beitrag vom: 17.09.2016 - 08:54
-Bericht aus Franken von 2008:
Sanduhr als Standplatz benutzt und ausgebrochen
http://www.bergwacht-bayern.de/2411.0.html?&tx_ttnews%5Bpointer%5D=1
&tx_ttnews%5Btt_news%5D=1801&tx_ttnews%5BbackPid%5D=2410&cHash=6deeb5d805
-Berichte über Kletterunfälle in Franken von 2o11:
Sanduhren werden zum Ablassen benutzt und brechen dabei
http://www.bergwacht-bayern.de/2411.0.html?&tx_ttnews%5Bpointer%5D=1
&tx_ttnews%5Btt_news%5D=1801&tx_ttnews%5BbackPid%5D=2410&cHash=6deeb5d805
http://www.bergwacht-bayern.de/2411.0.html?&tx_ttnews%5Bpointer%5D=1
&tx_ttnews%5Btt_news%5D=1801&tx_ttnews%5BbackPid%5D=2410&cHash=6deeb5d805
-Artikel/Statistik über Kletterunfälle zwischen 2002 und 2010 in Franken von 2011:
2 Unfälle durch Ausbrechen von Sanduhren, die als Umlenker, also zum Ablassen, benutzt wurden
http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2011/3
/48-54%20(kletterunfaelle%20im%20frankenjura).pdf
-Bericht über Unfall vom August 2016:
Unfall durch Ausbrechen einer Sanduhr, die als Umlenker, also zum Ablassen, benutzt wurde
http://www.frankenjura.com/klettern/shortnews/detail/1491
-aktueller Fall
http://www.frankenjura.com/klettern/news/artikel/1109
-> Da sollte jetzt auch der Letzte gewarnt sein. |
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Florian Nixmann 

Beiträge: 63
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Beitrag vom: 17.09.2016 - 16:51
Hallo, Leute!
Hab gerade im Netz gelesen, daß die 2 Sanduhrschlingen im Sonnenkönig gestern spontan durch Klebehaken ersetzt worden sind.
Ja, da könnte jetzt eine Diskussion einsetzen...
Ich fang mal an und mach mich auf einen shitstorm gefaßt !
Als ich noch ein Greenhorn war, bin ich den Schrofen auch hochgeeiert. Da gab es wohl die 2 Sanduhren auch schon, aber die waren damals üblicherweise nicht fix gefädelt (Achtung: Fixe Sanduhrschlingen sind ein erhebliches Risiko wegen hinten durchgescheuert!!!). Deshalb habe ich sie wohl auch übersehen.
Und genau da liegt doch die Kunst und die Gefahr:
Sanduhren sollte man doch selber finden und selber beurteilen. Vorgefädelte Sanduhren nehmen nicht nur der Begehung den Charakter und Anspruch, sondern sind doppelt gefährlich:
1. Wie oben schon bemerkt sind die Schlingen oft im hinteren Bereich durchgescheuert,
2. der Unerfahrene oder blauäugige Kletterer klinkt alles was da ist und denkt auch noch, es wäre sicher. Klar, in der Halle gibt es keine Sanduhren, die man begutachten müßte, aber damals waren wir nicht hallenverwöhnt.
Wenn man jetzt aus Aktionismus sofort 2 ausgebrochene Sanduhren durch Klebehaken ersetzt, muß man konsequenterweise die halbe Maxwand vollbohren, da es dort in den meisten leichten und auch einigen schweren Routen ausreichende Groundergefahren gibt.
Was ist denn mit der Westkante ein paar Meter weiter links vom selben Erstbegeher? Ist doch auch gefährlich, da leicht und damit ein Anziehungspunkt für unerfahrene (Hallen-)Kletterer.
Und wenn man jetzt in jeder Route, die einem zu schlecht gesichert erscheint, eine Mikrosanduhr (oder gleich mehrere) sucht, diese mit 2mm Reepschnüren bestückt, dann kann man etwas später sagen:" Die Sanduhren sind aber gefährlich! Da muß ein Klebehaken hin!"
Die Route Sonnenkönig ist allein durch die Sanduhrenausbrüche doch schon sicherer geworden:
Die durch die scheinbar vorhandenen Schlingen erst sichtbaren, ungenügenden Sicherungspunkte sind weg und gaukeln niemandem mehr eine Sicherheit vor, die dort offensichtlich nie bestanden hat.
Es tut mir unglaublich leid um den verunglückten Kletterer. Und ich kann mir vorstellen, daß er ohne diese Pseudosicherheit der vorhandenen Sanduhrschlingen gar nicht auf die Idee gekommen wäre, diese Route sei für ihn ungefährlich.
Anstatt jetzt überall Sanduhrschlingen durch Klebehaken zu ersetzen, was ungeahnte Materialschlachten zur Folge haben kann, plädiere ich dafür, fixe Sanduhrschlingen zu entfernen. So sehen diese Routen von unten nicht mehr "sicher" aus, und die Aspiranten denken länger darüber nach, ob das für sie machbar ist. Und außerdem bleibt der Charakter des Selberfindens und -beurteilens von Sicherungspunkten erhalten.
Fels ist keine Kletterhalle!!! Liebe Kletterer, macht euch das immer wieder bewußt. Und wer im brüchigen, fränkischen Kalk Sanduhren fädelt, sollte sich bewußt sein, ein Stück weit im Solo unterwegs zu sein.
lg Flori |
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Martin Grulich 


Beiträge: 1067
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Beitrag vom: 17.09.2016 - 20:10
Ich denke auch, dass man diese Gammelschlingen alle entfernen sollte. Ob man dann Sanduhren durch Haken ersetzt, ist wohl Ansichtssache.
Gruß Martin |
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Kalle Demetz 


Beiträge: 3324
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Beitrag vom: 18.09.2016 - 11:46
@Flori:
Ich finde, Dein Beitrag trifft es voll. |
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Anna Witt 


Beiträge: 985
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Beitrag vom: 18.09.2016 - 16:29
Ich sehe das so:
SS gegen Bohrhaken austauschen durch den Erstbegeher oder in Absprache mit diesem:
OK!
ohne Absprache mit dem Erstbegeher durch jemand anderen:
gar nicht OK!
einen Unfall nutzen um das (nahe liegende)eigene Interesse an zu schieben, möglichst alle leichten Routen besser abzusichern, wie es in einem anderen Forum den Anschein macht:
ganz und gar nicht OK!
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Florian Nixmann 

Beiträge: 63
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Beitrag vom: 18.09.2016 - 18:03
hallo!
Ich habe das Gefühl, daß bei der sehr spontanen Bohraktion im Sonnenkönig jemand emotional gehandelt hat. Vielleicht jemand, der die Route gerne und oft klettert oder jemand, der den Verunfallten kennt.
Das ist natürlich verständlich und zu entschuldigen.
Doch bohrt irgendwer in eine Alpinroute einen Bohrhaken, immer wenn ein Köpfel oder eine Sanduhr durch eine Schlinge herausgerissen worden ist? Sicher nicht! Vor allem dann nicht, wenn die Route bisher ohne oder mit Standbohrhaken auskommt.
Ich finde grundsätzlich, daß Annas letzter Beitrag richtig ist. Man sollte jetzt nicht in Aktionismus verfallen und alles mit Bohrhaken zuballern.
Wir sind eben nicht in der Halle, und dementsprechend muß ich mich auch zu Kalles neuem Thema "Ausbildung" gleich noch äußern...
lg Flori |
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Chris Bauer 


Beiträge: 322
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Beitrag vom: 19.09.2016 - 07:56
Die Haken im Sonnenkönig wurden nach Rücksprache mit dem Erstbegeher gesetzt. |
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Alexander Marg 

Beiträge: 4
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Beitrag vom: 19.09.2016 - 13:51
@Florian, ich gebe dir da voll recht. Um es vorwegzunehmen, der Unfallte tut mir leid, aber hätte es soweit kommen müssen? Mittlerweile gibt es zwei recht gegensätzliche Lager von Kletterern. Die einen wollen Kletterhallenartige Absicherung aller Routen, ohne ergänzende Sicherungen, wie Klemmkeile* oder Sanduhrschlingen. Teilweise auch wegen der fehlenden Routine beim Legen. Die anderen wollen auch mal genau dies. Es gibt meines Erachtens in Franken mittlerweile genug Möglichkeiten gut gesicherte Routen auch im unteren bzw. mittleren Schwierigkeitsgrad zu klettern, so dass nicht noch andere Möglichkeiten geschaffen werden müssen. Es lebe der Kompromiss und nicht die Maximalforderung. Der "Sonnenkönig" stellte eine sicherlich psychisch anspruchsvollere Route da. Aber schon der sichtbar weite Weg zum 1. Haken sollte abschreckend genug sein, wenn man sich nicht sicher ist, dort auch nicht einzusteigen. Bis zum 1. Haken ist es auch im Verhältnis zum Stück ab 1. Haken um vieles leichter. Auch besteht die Möglichkeit, fast beliebig weitere Sicherungen zu ergänzen.
Was aus dem Unfallbild auch hervorgeht, dass die Schlinge nicht sachgemäß (um den Sockel), sondern am Steg abgebunden war. Deswegen bin ich auch kein Freund der Dauerschlinge, mal abgesehen von der nicht kalkulierbaren Haltbarkeit über längere Zeiträume. Also halte ich, auch wenn der Erstbegeher zugestimmt hat, die Entscheidung für keinen Kompromiss, sondern wieder für eine Entscheidung für ein Lager, leider. Zumal es in dem Fall die Möglichkeit gibt in der Route links davon auch einen Haken als Zwischensicherung zu nehmen. |
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