Muss das eigentlich sein? Absicherung in Klettergebieten
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Sicherungstechnik
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Matthias Hammon 


Beiträge: 17
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Beitrag vom: 28.04.2012 - 13:51
Hallo zusammen,
eins muss ich echt würdigen - das Engagement vieler Erstbegeher. Sie investieren Zeit, Geld und auch viel Arbeit in die neuen Touren.
Nichts desto trotz stellt sich mir die Frage, ob deshalb die Touren in den "Besitz" der Erstbegeher übergehen (manche Erstbegeher haben diese Einstellung). Ein Blick ins Grundbuch sollte diese Frage schnell klären.
Weiter übernimmt meiner Meinung nach der Erstbegeher auch eine gewisse Verantwortung für nachfolgende Kletterer. Um gleich entsprechenden Argumenten entgegenzuwirken - es geht hier nicht darum, Passagen mit Keilen oder Schlingen abzusichern oder auch mal einen längeren Sturz in Kauf zu nehmen. Es geht beispielsweise darum, dass ein 1,90m großer Erstbegeher daran denkt, dass auch Kinder die Tour sicher klettern können (denn es hat nichts mit Kreativität zu tun, wenn ein Haken so gebohrt wird, dass ihn ein großer Kletterer von sicherer Position aus klippen kann, während ein kleinerer Klettern seine Gesundheit riskieren muss. Sowas nenne ich Egoismus).
Leider hat sich inzwischen eine Szene von Erstbegehern etabliert, die die kleinsten Felsen einbohren, mit Chemikalien alles am Fels abtöten und dann schnell mal Griffe kleben oder schlagen, weil Ihre Kreation dann doch noch zu schwer für ihr Kletterkönnen ist. Sowas nennt man dann umweltfreundliches klettern. Und warum das Ganze - ganz klar, um möglichst oft als Erstbegeher im Topo genannt zu werden (die Intention, eine schöne Tour zu kreieren kann hierbei ja wohl nicht im Mittelpunkt stehen...)
Beispiel Frankenjura: Ich kenne Erstbegeher, die laufen im Winter durch die Fränkische auf der Suche nach neuen Felsen. Wurde einer gefunden, dann wird schnell von oben abgeseilt und alle zwei Meter eine Tour gebohrt, sprich der ganze Felsen reserviert. Ob hier eine kreative Leistung zu erkennen ist weiß ich nicht so recht. Übrigens: Man erkennt so erschlossene Felsen daran, dass meist alle Erstbehungen vom selben Kletterer stammen und ähnliche Erstbehungstermine haben
Also: Erstbegeher, die gezielt eine schöne Linie aussuchen und diese vernünftig absichern (das heißt nicht, alle zwei Meter einen Haken), haben meinen größten Respekt. Doch Kletterer, die nur Ihr Ego verfolgen und einzig darauf aus sind, möglichst oft im Topo zu stehen und Touren dann auch noch hirnlos abgesichern - kann man davor Respekt haben? Bitte nicht böse sein, aber Meinung nach ein klares NEIN |
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Anna Witt 


Beiträge: 985
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Beitrag vom: 02.05.2012 - 16:43
Hallo Matthias
Mal eine kleine Gegendarstellung von jemand, der sich die Mühe macht Routen einzubohren.
Im Winter Felsen zu suchen kostet durchaus viel Zeit und Mühe. Andere klettern während dessen in der warmen Kletterhalle oder konsumieren Routen irgendwo im Süden. Wenn ich dann nen Fels finde, sehe ich keinen Grund nicht alle Routen einzubohren, die ich für sinnvoll erachte. Der Fels steht schon so lange dort, dass jeder andere in schon längst hätte einbohren können. Das hat auch nichts mit reservieren zu tun, denn bist die anderen sich wieder raus wagen sind die Routen zumindest fast alle geklettert. Und es hat vor allem nichts damit zu tun, dass wir in nem Führer auftauchen, denn wir veröffentlichen diese Felsen überhaupt nicht. Soll doch jeder selber suchen, konsumieren und kritisieren nervt irgendwann. Da merkt man dann auch recht schnell, dass sich auch weitere 10 Jahre keiner für diese Felsen interessiert, solange sie nicht im Führer stehen.
Was ich aber nicht einsehe ist, dass wir im Winter die Felsen suchen, dann nur eine Route einbohren, den Fels veröffentlichen und am besten noch nen Trampelpfad anlegen damit andere dann den Rest einbohren können. (Wahrscheinlich würden sie dann aber immer noch nichts einbohren, dass kostet viel Zeit und Kraft und auch Geld und der Klettertag ist auch gelaufen!)
Also: Statt euch zu beschweren, macht es besser!
Kauft euch ne Bohrmaschine, Zement und Haken, geht im Winter durch den Wald statt nach Spanien oder in die Halle zu fahren und bohrt statt zu klettern! |
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Matthias Hammon 


Beiträge: 17
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Beitrag vom: 02.05.2012 - 17:24
Hallo Anna,
wie ich bereits geschrieben habe, habe ich größten Respekt vor Erstbegehern wie Dir. Ich kenne natürlich die Leistung und das Engagement an 
Nur, um zum Thema zurückzukehren - es geht ja um das wie man die Touren bohrt. Ich gehe mal davon aus, dass Du Touren so bohrst, dass man sie auch sicher klettern kann. Dann beschwert sich auch niemand, ganz im Gegenteil. Aber wenn beispielsweise der Erstbegeher die Tour so bohrt, dass kleinere Kletterer und Kinder in Lebensgefahr schweben, wenn sie die Tour klettern, dann sollte es schon erlaubt dies zu hinterfragen. Die Route (der Fels) sollte schließlich den Charakter darstellen und nicht die schlechte Absicherung. Erstbegeher, die Routen nicht vernünftig absichern, sollten es lieber bleiben lassen.
Es geht ja hier nicht um die breite Masse der Erstbegeher, sondern um die Wenigen, die Touren nicht vernünftig absichern und die müssen sich auch Kritik gefallen lassen.
Gruß Matthias |
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Anna Witt 


Beiträge: 985
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Beitrag vom: 02.05.2012 - 22:30
Hallo MATTHIAS
Auf diesen Teil deines Textes habe ich mich ja auch gar nicht bezogen. Ich bohre tatsächlich eher mehr Haken als für die Sicherheit unbedingt nötig (ärgert bestimmt auch jemanden, ist mir aber wurscht), weil ich selber eher ängstlich bin.
Mir ist aber auch egal, wenn jemand eher weit oder gefährlich einbohrt, ich akzeptiere das halt und klettere die Route Toprope oder benutze nen Clippstick oder kletter halt was anderes, wenns Toprope nicht geht. Es gibt doch genug Routen und wie gesagt, meist gehts auch Toprope, selber Schuld, wer nur vorsteigt, es geht doch darum, die Route zu geniessen.
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Michi Müller 


Beiträge: 202
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Beitrag vom: 23.05.2012 - 10:59
Anna, lieber ein Haken zu viel, als zu wenig
Und wenns jemand zu viele Haken sind, dann kann er ja welche auslassen. Anders rum ist es meist schwerer... Weitere Hakenabstände sind natürlich kein Problem, wenn das Sturzgelände sicher ist
Aber: Vor wenigen Tagen ist in der Fränkischen wieder jemand tödlich verunglückt, in einer Tour mit nur zwei Haken. Gut, die Tour ist ein Klassiker und man kann gut Keile legen. Weiter kenne ich leider die genaue Unfallursache nicht (wurde so weit ich weiß noch nicht veröffentlicht). Evtl. hätte aber ein 3. Haken den Unfall vermieden.
Natürlich kann man immer sagen, wär er halt nicht geklettert. Aber bitte nicht vergessen, es ist ein Mensch gestorben und da sind solche Sprüche meiner Meinung nach fehl am Platz |
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Anna Witt 


Beiträge: 985
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Beitrag vom: 30.05.2012 - 21:07
Hallo Michi
Klar, in dem konkreten Fall ist es einfach schlimm, dass jemand gestorben ist. Viele Menschen sterben, weil sie sich in Gefahr begeben, zB beim Autofahren und im nachhinein ist das "wie" dann auch eh wurscht.
Aber mal ganz unabhängig von dem konkreten Fall: Ich steige in viele Routen auch im 4. Grad nicht im Vorstieg ein, weil sie mir zu schlecht gesichert sind, obwohl ich im 10. Grad klettern kann und sehe dann immer mit Erstaunen, dass sich Leute in diese Touren begeben, für die es offensichtlich die Leistungsgrenze ist.
Ich frag mich dann immer: Warum klettern die nicht was anderes oder Toprope oder benutzen nen Clippstick? (Mach ich doch auch.)
Warum müssen immer alle Helden sein? Ich hab mir dann angewöhnt, einfach zu gehen (natürlich bevor was passiert). Bin blöderweise Ärztin und hab keine Lust meine Freizeit dann mal wieder mit Arbeiten zu verbringen. Soll jeder machen wie er/sie es meint, ich halt mich da raus. |
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