Stürzen
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Tanja Stiefel 
Beiträge: 1
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Beitrag vom: 04.05.2019 - 17:16
Hallo zusammen,
mich würde mal interessieren, wie oft Ihr so beim Klettern stürzt. Ich hab da immer ein wenig Schiss und klettere daher mit viel zuviel Reserve. Aber so komme ich auch nur ganz langsam weiter...  |
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Ursula Herbach 
Beiträge: 3
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Beitrag vom: 04.05.2019 - 17:47
Die wenigsten Kletterer lassen es aufs Stürzen ankommen. Aber es ist dann genau, wie Du es geschrieben hast, man klettert mit Reserve, also nicht so schwer wie es eigentlich ginge. Solange man das macht, macht man nur langsam Fortschritte. Also stürzen üben und dann ist es gar nicht mehr so schwer bis ans Limit zu gehen. |
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Tina Fraunholz 


Beiträge: 238
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Beitrag vom: 06.05.2019 - 22:00
Hallo Tanja,
ich zweifle sehr, dass Sturztraining was bringt. Wenn die Angst kommt fällt es sehr schwer weiter zu klettern und manchmal sollte man auch nicht ( gefährliches Sturzgelände).
Viel kommt es bei mir auch auf den Sicherenden an, ob ich meine Sturzangst bezwinge oder nicht. (Gewicht, Gerät, Aufmerksamkeit, Vertrautheit......)
Ich stürze tatsächlich leichter in für mich schwereren Routen.
Ich bin an einem Tag oft total happy in einer schweren Tour den wackligen Zug gewagt zu haben und gefallen zu sein. Danach kann ich diese Stelle fast hemmungslos klettern /bzw immer wieder stürzen. Deshalb glaube ich eher, dass man bei schwereren Routen das Stürzen lernt. Such dir ein Projekt(gut gesichert) Beim ersten Mal steig vor, dann siehst du wo die Stellen kommen an denen du Angst bekommst. Dann teste ein paar mal im Toperope und versuche danach wieder einen Vorstieg.
Wenn du das Projekt zu leicht gewählt hast, wirst du durchsteigen ( ist auch schön ), hast du es schwer genug gewählt, dann wirst du wahrscheinlich weiterkommen als beim ersten Versuch bzw. auch mal Stürzen. Versuch deinen Sturz nicht anzukündigen, denn der Sturz ist fast immer angenehmer unangekündigt.(Ich weiß, wie schwer das fällt!)
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Sabine Leitz 
Beiträge: 6
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Beitrag vom: 22.05.2019 - 01:03
Mann, ich hab auch immer so viel Schiss vorm Stürzen...  |
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Nicolas Benezan 


Beiträge: 71
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Beitrag vom: 31.05.2019 - 18:48
Also ich denke, Sturztraining bringt auf jeden Fall etwas. Ob man das lieber absichtlich oder im "Ernstfall" macht, ob angesagt oder nicht usw. kann ja jeder selbst entscheiden.
Fakt ist: was bei einem Sturz passiert, hängt hauptsächlich von Reflexen ab. Die kann man nicht planen, sondern muss sie trainieren. Wenn man noch nicht so oft gestürzt ist (weil man entweder Anfänger oder konsequenter Sturzverweigerer ist), neigt man dazu, krampfhaft nach allem zu greifen, was in der Nähe ist. Das kann sehr schmerzhaft und tw. gefährlich werden, wenn man z.B. in eine Exe greift. Ich hab mich auch mal übel verletzt, als ich reflexartig in eine horitontale Felsspalte gegriffen habe, und das Fingergelenk rückwärts überdehnt habe. Dabei bin ich noch garnicht mal richtig gestürzt, sondern nur etwas abgerutscht.
Nur wenn man schon öfters gestürzt ist, kann man abschätzen, wie weit man runterkommen wird, in welche Richtung man die Füße strecken muss, um sich nicht die Knie oder Hände aufzuschürfen, und auch, wo man besser nicht stürzt, weil z.B. Vorsprünge/Bänder im Weg sind. |
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Tina Fraunholz 


Beiträge: 238
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Beitrag vom: 31.05.2019 - 22:36
Hallo Nicolas,
vielleicht können wir uns einigen, dass Sturztraining ( so wie ich es kenne: in der Halle bei Hakenabständen von ca. 60 cm und einem zumindest darauf vorbereiteten Sicherer) nur ein wenig bringt. Wenn die Sturzangst dann in einer Außenroute zwei Meter über dem letzten Haken aufkommt ist die Situation eine völlig andere . Ich denke, dass Sturztraining eher im Kopf stattfinden muss.
Gute Vorbereitung einer Route
- nicht nur die Griffe analysieren sondern auch die Hakenabstände und eventuell gefählichen Stellen mit dem Sicherungspartner vorab besprechen
- gefährliche Stellen eventuell mit einer verlängerten Exe entschärfen
Diese Dinge geben dem Kopf schon mal eine gewisse Sicherheit.
Beispiel was in meinem Kopf abgeht und zwar nur in meinem Kopf:
Scheiße, bis hier hin wars doch easy.... ich kann nichts mehr bewegen schieße scheiße , mir geht die Kraft aus. Mist ich habe nicht mal kraft zum Zurückklettern. Überstreckt klippen? -Nein ...kann mich ja jetzt noch kaum halten.... Wohin falle ich? weg ist frei - erster haken war hoch, höher als ich jetzt drüber stehe.
-> Sicherungpartner ist mir sehr vertaut und etwa gleich schwer - wird schon gut gehen ich ergebe mich meinem Schicksal -lautlos lasse ich los und hoffe....bisher wurde meine Hoffnung nicht enttäuscht.
-> Sicherungspartner ist mir nicht sehr vertaut schwerer oder leichter als ich - hier fordere ich den Sicherer auf mich weich zu sichern oder gegebenen falls Situationsbezogen hart. Und ergeben mich auch meinem Schicksal ich kann ja eh nichts mehr ändern... Hier bin ich auch schon enttäuscht worden.
Also Sturztraining macht bei mir nur Sinn mit einem Sicherungspartner mit dem ich auch viel unterwegs bin.
Beispiel aus der Praxis: Ich war weit über dem ersten Haken, zweiter noch nicht erreichbar, allerding war schon die Exe drin. Zweimal habe ich mich gestreckt und bemerkt, dass ich doch die Exe klippen könnte, aber mich aufgrund der Unsicherheit, dagegen entschieden. Ich war an der Stelle glaube ich länger gestanden (Mut für den sichereren weiteren Zug oder Sturz hierbei) als ich dann für den Rest der Tour gebraucht habe.
Als mein Sicherer mir gratuliert hat zum Durchstieg, hab ich freudig erklärt, dass ich heilfroh bin am zweiten Haken nicht versucht habe überstreckt zu klippen, denn da wäre ich sicher gefallen.....
Mein Sicherer: "Nein, du wärst nicht mit überstrcktem Seil gefallen, du hättest von mir an der Stelle kein Seil mehr bekommen."
Cool - habe zwar selbst die richtige Entscheidung getroffen, aber wäre auch bei eine falschen Entscheidung SAFE gewesen. Und das ging völlig ohne Worte oder Befehle!
Also Stürzen nur mit dem richtigen Sicherungspartner, mit dem kann man dan auch objektiv die Gefahrenstellen vorab analysieren.
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Daniel Steinbichl 


Beiträge: 45
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Beitrag vom: 01.06.2019 - 08:17
Ich bin mir nicht so sicher, ob ich das gut fände, wenn ich klippen will und mir der Sicherungspartner kein Seil gibt. Ich entscheide, wann ich was wie mache. Klar kann mich der Sicherer darauf hinweisen, aber kein Seil geben geht gar nicht. Ich glaub, ich würde den Kletterpartner auswechseln...
Aber zurück zum Stürzen. Klar, kurze Stürze in der Halle sind nicht mit langen Stürzen am Fels vergleichbar. Man sollte meiner Meinung nach mit kurzen Stürzen in sicherem Umfeld anfangen und sich dann kontinuierlich steigern bis man bei langen Stürzen am Fels ist. Ich zumindest hab so meine Sturzangst los bekommen. Aber das kann natürlich bei jedem Kletterer anders sein und jeder Kletterer sollte die für ihn richtige Variante anwenden. |
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Tina Fraunholz 


Beiträge: 238
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Beitrag vom: 01.06.2019 - 13:59
@Daniel:
grundsätzlich gebe ich dir recht, dass der Sicherer Seil geben sollte. In dieser Situation hat mein Sicherungspartner sehr lange beobachtet, wie ich
1. sehr lange an ein und der selben Stelle versucht habe nicht zu stürzen.
2. mehrmals versucht habe OHNE Seil den unteren Teil der Exe zu erreichen (wacklig und auch mal Versuch abgebrochen)
Wäre ich an dieser Stelle gestürzt wäre schon viel Geschick nötig gewesen, um einen Grounder zu vermeiden. Ich bin mir sicher ich hätte Seil bekommen, wenn ich an der Stelle realtiv schnell einen Versuch zu klippen gemacht hätte. In gewisser Weise ist es doch auch der Job des Sichernden seinen Kletterpartner wieder sicher und gesund auf den Boden zurück zu bekommen. Ich würde einen Kletterer, der in dieser Situation sich fürs überstreckt und wacklig Klippenentscheidet, und dies immer wieder so entscheidet nicht sichern wollen auf Dauer.
Kletterer und Sicherer sollten harmonieren. Zwei Kamikaze Kletterer passen zusammen und zwei Sicherheitsfanatiker. Aber wenn der Kamikaze mit dem Sicherheitsfanatiker zusammen trffen wird es schwierig. |
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Stefan Präg 
Beiträge: 3
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Beitrag vom: 17.08.2020 - 20:59
Versuch einfach jedes Mal beim Klettern 1-2 Mal zu springen. Fang mit ganz kurzen Sprüngen an, ruhig auch nur im Top Rope mit etwas Schlappseil. Wirst Dich wundern, wie schnell die Angst nachlässt. Nur nie übertreiben, kurze Sprünge im Wohlfühlbereich Länger werden sie dann von ganz alleine. |
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Rainer L. 


Beiträge: 169
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Beitrag vom: 18.08.2020 - 08:57
"Ich war weit über dem ersten Haken, zweiter noch nicht erreichbar, allerding war schon die Exe drin. Zweimal habe ich mich gestreckt und bemerkt, dass ich doch die Exe klippen könnte, aber mich aufgrund der Unsicherheit, dagegen entschieden."
Wenn man überstreckt das Seil einhängen kann, dann kann man auch überstreckt eine weitere laaaaaaaaaaaaaaaaange Expressschlinge einhängen und in die dann ganz bequem das Seil einhängen. |
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