Ehrlichkeit bei den Begehungen
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Alan Little 


Beiträge: 76
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Beitrag vom: 03.12.2014 - 07:25
Zitat: Wer waren denn jetzt nochmal die zahlreichen (???) Leute, die UNBEDINGT das Rotpunkt als separaten, genau definierten Begehungsstil haben wollten??? Jetzt fängts aber wirklich an mich zu interessieren...
Hi Andreas
Da muss man ein Bißchen den historischen Hintergrund verstehen. In den 70ern und 80ern, als in (z.B.) GB und den USA mit Freiklettern ernsthaft angefangen wurde*, gab es kein gemeinsames Verständnis, was als eine legitime Begehung galt. Es wurden zahlreichen cutting-edge Routen "erstbegangen" in dem der Kletterer ab zu mal während der Begehung sich an seinen cleanen Klemmkeilen ausgeruht hatte. Oder gar "yoyo", wo man kletterte, bis man sturzte, wurde dann wieder zum Boden abgelassen, dann ist man wieder losgeklettert, ohne das Seil zu ziehen, sodass die finale "Begehung" manchmal bis zu 90% in Toprope passieren konnte.
Als damals berühmte Weltklassiker kann ich Phoenix Crack in Yosemite (Ray Jardine) als Paradebeispiel für Stil A zitieren, und Strawberries in Tremadog (Ron Fawcett; erste Onsight etwas später Stefan Glowacz) für Stil B.
Die berühmte Erfindung der Rotpunkt von Kurt Albert als Definition einer gültigen Begehung (sowie ungefähr gleichzeitig mehr oder weniger die gleiche Definition von Tony Yaniro in den USA) war damals insofern sehr wichtig. So hatten alle ein (mehr oder weniger) klares (mehr oder weniger) gemeinsames Verständnis: Durchstieg in einem Versuch vom Boden, ohne die Sicherungskette zu belasten, egal was davor passiert.
Die jetzige Diskussionen - Exen vorgehängt ja/nein usw. - gehen um Feinheiten, und ändern nicht prinzipiell, was damals bahnbrechend und war, und immer noch die essentielle Definition eine legitime Begehung ist.
* Ja da gabs schon die Sachsen und die Tschechen mit ihren eigenen ehrenwerten Traditionen. Die gibt es auch noch, glücklicherweise: eine völlig homogene Kletterbrei wäre langweilig |
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Andi Müller 

Beiträge: 25
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Beitrag vom: 03.12.2014 - 08:00
Hallo Alan,
hast du Phoenix Crack in Yosemite und Strawberries in Tremadog schon geklettert?
Weil du dich da so gut auskennst?
Oder bist du nur das wandelnde Kletterlexikon? |
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Chris Bauer 


Beiträge: 322
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Beitrag vom: 03.12.2014 - 08:05
Für die normalen Sportklettertouren könnte man schon Rotpunkt und Pinkpoint - auch wenn ein kleiner Unterschied da ist - gleichwertig verwenden.
Interessant wird es aber ob ich eine Tour wie den Century Crack Rotpunkt oder Pinkpoint gemacht habe, im Vorstieg die Sicherungen zu legen ist sicher eine eigene Herausforderung. Es gibt auch hierzulande genug Touren die zusätzliche Sicherungen erfordern, die sich aber nur mit großem Aufwand legen lassen. Soll man dann hier einen neuen Begriff erfinden, da ja Rotpunkt schon zweckentfremtet wurde?
Zusätzlich kompliziert macht die Sache ja erst die Angewohnheit von vielen sich Haken vorzuhängen und andere Erleichterungen zu nutzen und dann immer noch von Rotpunkt zu sprechen. Müsste für diesen Stil nicht ein neuer Begriff gefunden werden?
Ob nun der Begriff geklettert der Weisheit letzter Schluß ist sei dahin gestellt, aber das muss das Extremklettern Team entscheiden. |
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Alan Little 


Beiträge: 76
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Beitrag vom: 03.12.2014 - 09:45
Weder noch Andreas. Sie waren nur berühmte state-of-the-art Dinge, als ich damals zum klettern anfing. Und auch Trigger für viele damals nötige Diskussionen, zum klären was als gültige Begehung gelten sollte.
War letztes Jahr mit einer Gruppe vom Münchner DAV in Wales, und sie wollten unbedingt den Tatort von Stefan Glowacz Erniedrigung der gesamten britischen Kletterszene erblicken. Also ab nach Tremadog zum Strawberries bestaunen. |
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Andi Müller 

Beiträge: 25
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Beitrag vom: 27.08.2015 - 09:51
Ich finde auch kömmisch dass es gibt Rotpunkt un Geklettert optionen.
Bei mir wenn ich sage ich habe ein tour geklettert ich möchte sagen ich habe dass geschaft.... so rotpunkt.
Wenn ich habe nict geschaft ich sage dass ich habe die tour versucht....so dass ist noch in Projekt liste von mir.
Frage ist was Projeckt bedeutet....ich finde das versuchen ein-zwei mal ein tour bedeutet nicht dass es ist ein Projekt....ein Projekt für mich ist etwas die versuche ich regelmässig...mit specific training zwischen, etc.
Grüß,
Christian
ps. sorry für meine Deutsch...ich weiss es ist schlecht
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Anna Witt 


Beiträge: 985
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Beitrag vom: 27.08.2015 - 10:01
Wenn dir Toprope- oder Pinkpointgeklettert nichts wert ist, zwingt dich ja keiner, diese Begehungen einzutragen. Ich verstehe nur nicht, wo das Problem ist, anderen diese Möglichkeit zu geben. |
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Extremklettern.de Team 


Beiträge: 222
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Beitrag vom: 27.08.2015 - 11:32
Auf vielfachen Wunsch haben wir die Option geklettert eingeführt. Kurz zu den Hintergründen:
Pinkpoint hat sich nie wirklich beim Klettern durchgesetzt, weil es einfach unpraktikabel ist, nach jedem Versuch die Tour komplett abzubauen. Natürlich ist es aber schwerer, beim Durchstieg die Exen mit einzuhängen. Daher gibt es Kletterer, die diese zusätzliche Schwierigkeit im Begehungsstil berücksichtigt haben möchten. Für diese Kletterer haben wir als Ersatz für Pinkpoint Geklettert eingeführt.
Geklettert kann auch als Option genutzt werden für eine Tour, die man nicht gepunktet hat und auch nicht projektieren möchte. So kann man auch nicht gepunktete Routen ins Tourenbuch eintragen.
Für alle anderen, die Geklettert nicht nutzen möchten - einfach ignorieren. |
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martin schmid 

Beiträge: 17
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Beitrag vom: 27.08.2015 - 16:25
Liebes EXpertenteam,
Wenn ich richtig verstehe wird also beides mit "geklettert" eingetragen:
A eine route die ich durchgestiegen bin und ich die exen aus dem klettern eingehaengt habe.
B eine route die ich nicht durchgestiegen bin aber mich irgendwie hochgewuergt hab.
Richtig? |
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Kalle Demetz 


Beiträge: 3324
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Beitrag vom: 27.08.2015 - 16:39
Das kannst Du machen, wie Du willst - ist ja kein Wettbewerb hier.
Ich trage Rotpunkt ein, egal ob mit oder ohne eingehängt Exen. Geklettert ignoriere ich.
Andere, die Wert auf die Unterscheidung mit Pinkpoint leben, tragen halt vorgehängte Exen als geklettert ein.
Jemand, der gerne alle Touren notiert, die er mal probiert hat, verwendet geklettert halt für nicht durchgestiegene Touren. |
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Simon Hofner 
Beiträge: 2
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Beitrag vom: 26.11.2024 - 12:19
Ich klettere für mich selber und gehe mit meinen gekletterten Touren nicht hausieren. Mir ist es da egal was andere sagen und ich sehe keine Grund, weshalb ich vor irgendwem Rechenschaft ablegen soll. Kann aber jeder machen, wie er es will. |
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