Frage zu Sicherungsausrüstung
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Ausrüstung
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Thomas Reimer 
Beiträge: 1
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Beitrag vom: 24.04.2023 - 09:17
Guten Tag zusammen!
Ich bin eigentlich kein Kletterer, habe aber eine Frage zu dem Thema und hoffe, dass ich hier an der richtigen Adresse bin:
Ich will mir eine kleine Ausrüstung zusammenstellen, um an einer relativ exponierten Stelle ca. zweimal im Jahr einige Fenster zu putzen. Ich habe das ganze jetzt einmal ohne Sicherung gemacht, weil mir das für das nächste Mal jetzt aber doch zu riskant wäre und mir die ängstlichen Zuschauer leid getan haben, will ich mir für das nächste Mal gerne etwas zum Sichern besorgen. Die Situation sieht folgendermaßen aus:
Die Fenster sind direkt über einem Dachvorsprung, auf dem ich beim putzen stehen kann. Auf diesen Vorsprung kann ich gut von oben kommen, zum Beispiel mit einer Strickleiter. Auf dem höhergelegenen Dach, von dem aus ich komme, gibt es einen sehr stabilen Schneefang, ein ca. 3cm dickes Metallrohr. Das würde ich auch gerne als Ankerpunkt (ist das die richtige Bezeichnung?) nutzen. Falls ich das ganze unverständlich erklärt habe, könnte ich auch noch eine Skizze erstellen.
Jetzt zu meiner Frage: Was bräuchte ich, um mich dort zu sichern? Was haltet ihr von meinen Vorschlägen?
Klettergurt:
https://www.bergfreunde.de/camp-energy-cr-3-klettergurt/
Seil:
https://www.bergfreunde.de/beal-jampa-95bergfreunde-edition-einfachseil/
Karabiner:
https://www.bergfreunde.de/mammut-sender-twistlock-carabiner-verschlusskarabiner/
Ist der groß genug, um den direkt an eine ca. 3cm dicke Stange zu hängen?
Sicherungs-/Abseilgerät:
https://www.bergfreunde.de/petzl-reverso-sicherungsgeraet/
Hier bin ich mir am unsichersten. Ich bräuchte etwas, womit ich beide Hände frei habe und das Seil nicht die ganze Zeit gehalten werden muss. Geht das mit diesem Gerät?
Brauche ich außer diesen vier Dingen noch irgend etwas?
Vielen Dank an jeden, der den ganzen Text bis hierhin durchgelesen hat.
Ich freue mich schon auf eure Antworten!
Gruß,
Thomas |
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Rainer L. 


Beiträge: 169
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Beitrag vom: 24.04.2023 - 11:35
Du brauchst jemanden, der Dich in die Benutzung von dem Zeug einweist.
Das muss der möglichst anonym machen, weil wenn Dir was passiert dann möchte der nicht verantwortlich gemacht werden.
Das herumklettern auf Gebäuden ist schon seit >20 Jahren reguliert, es gibt spezielles Material dafür und man muss eine Ausbildung dafür haben.
Allein der Gedanke, den Karabiner* direkt an das Rohr zu hängen, gruselt mich.
Wenn Du weshalb auch immer gerettet werden musst, kann das teuer werden. Deshalb ist auch immer ein zweiter Mann auf der "Baustelle" vorgeschrieben.
Ich mache das auch ab & zu, wenn unsere Dachrinne verstopft ist. Aber ich kletter auch schon seit 1989. |
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Nicolas Benezan 


Beiträge: 71
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Beitrag vom: 02.05.2023 - 16:46
Selbstverständlich gibt es in Deutschland für alles eine Vorschrift. Es gibt aber auch das ungeschriebene Gesetz "solange nichts passiert, kontrolliert das niemand". Die Vorschriften sind dazu da, dass Chefs von Handwerkerfirmen ihre Angestellten nicht ungesichert aufs Dach schicken, um mehr Profit zu machen auf Kosten der Sicherheit. Das ist ohne Frage sinnvoll. Wenn man das selber quasi auf eigenes Risiko macht, muss man aber nicht gleich zum Paragraphenreiter werden.
Trotzdem sollte man nicht völlig blauäugig vorgehen. Wenn man alleine unterwegs ist, ist die größte Gefahr meiner Meinung nach nicht, abzustürzen, sondern sich so zu blockieren, dass man ohne fremde Hilfe nicht mehr runterkommt. Das kann dann peinlich, unangenehm (bei Cartoons hängt dann ein Gerippe am Seil...) und auch teuer werden. Karabiner* kann man z.B. unter Last nur schwer aushängen und Steigklemmen nicht mehr öffnen, wenn man sie bis zum Anschlag hochschiebt.
Ich würde dazu raten, einen Kurs zu machen. Wenn Du eine zweite Person hast, die dich sichern kann, wäre ein Toprope-Hallenkletterkurs am besten. Da lernst Du den Umgang mit dem Material.
Wenn Du am (klassischen) Klettern gar kein Interesse hast, gibt es auch Kurse für Geocaching (Baumklettern, Aufstieg am Seil) oder Canyoning (Abseilen).
Kurse für Berufskletterer (Industrie, Bauarbeiter, Baumfpleger) würde ich nicht empfehlen. Die sind sehr teuer.
Egal was Du machst, übe das vorher an einer weniger gefährlichen Stelle. Z.B. Seil am Querbalken eines Carport festmachen. Steig auf einen Stuhl Mach Dich mit dem Sicherungsgerät* am Seil fest und Spring runter. Kommst Du aus eigener Kraft wieder hoch? (ohne den Boden zu benutzen, der bei einem echten Sturz ja nicht da wäre) Eine Strickleiter neben dran hängen zu lassen, ist gar keine schlechte Idee, denn am glatten Seil kommst Du nicht hoch.
Das Reverso ist als Sicherungsgerät* für sowas nicht geeignet (außer mit zweiter Person zum Sichern). Es solte was sein, dass von selber blockiert. Ich nehm für sowas ein Kong Backup, aber das hat auch wieder Nachteile: wenns blockiert, kann man sich nicht selber ablassen.
Fazit: Mach einen Kurs oder lass Dich von einem Kletterer sichern, der sich auskennt. |
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Rainer L. 


Beiträge: 169
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Beitrag vom: 03.05.2023 - 10:40
"Wenn man das selber quasi auf eigenes Risiko macht, muss man aber nicht gleich zum Paragraphenreiter werden."
Viele Krankenversicherer sind mittlerweile dazu übergegangen, sich das Geld zurückzuholen. Also wenn bei Dir was zu holen ist, solltest Du Dir gut überlegen was Du tust. Bevor der Kuckuck am Haus klebt. |
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Nicolas Benezan 


Beiträge: 71
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Beitrag vom: 03.05.2023 - 13:50
Rainer, bitte nimms mir nicht persönlich, ich weiss, Dein Ratschlag ist nur gut gemeint.
Aber die Flut von Beiträgen wie diesem ist meiner Meinung nach die Ursache, warum hier nur noch ganz wenig los ist. Man könnte meinen, es handelt sich mehr um ein Forum von Juristen als von Kletterern.
Thomas hat ja selber erkannt, dass es wohl keine gute Idee ist, total ungesichert in gefährlicher Höhe zu arbeiten. Dann ist er schonmal auf dem richtigen Weg, und alles was es sicherer macht, ist besser als nichts.
Wenn wir jetzt alles total blockieren, ist das schlimmste, was passieren kann, dass er total frustriert ist, und weiter ungesichert arbeitet. Das wär blöd, weil Kletterer sind doch eigentlich hilfsbereit, oder?
Natürlich muss man vor dem, was passieren kann warnen. Aber wenn man das macht, dann kann uns niemand einen Strick draus drehen, wenn wir Ratschläge geben, und trotzdem was schief läuft. |
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Nicolas Benezan 


Beiträge: 71
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Beitrag vom: 03.05.2023 - 14:46
Thomas: "Hier bin ich mir am unsichersten. Ich bräuchte etwas, womit ich beide Hände frei habe und das Seil nicht die ganze Zeit gehalten werden muss. Geht das mit diesem Gerät?"
Ich hab mir das ganze nochmal durch den Kopf gehen lassen. Man sieht öfters Kletterer, die sich z.B. zu Wartungsarbeiten an der Kletterwand mit einem Grigri* selbst sichern. Das hat den Vorteil dass man sowohl aufsteigen und das Seil verkürzen, als sich auch selber ablassen kann. Und wenn (und nur dann!) es mal blockiert hat, hat man auch beide Hände frei. Gerade aber wegen dem "wenn" würde ich Anfängern dringend davon abraten. Das Gerät ist nämlich laut Bedienungsanleitung NICHT zum selbst sichern zugelassen, und man soll die Bremshand immer am Seil lassen, darf also NICHT freihändig arbeiten.
Deshalb ein anderer Vorschlag: Man braucht eigentlich gar kein teueres Gerät. Ein Seil und ein Karabiner* reicht (plus Gurt und Helm natürlich). Als Karabiner* würde ich den Clypsedra von Grivel vorschlagen. Der ist für Leute, die Schraubkarabiner gweohnt sind, am Anfang etwas ungewohnt. Er hat aber den Vorteil, dass man nichts vergessen kann zuzuschrauben, und er sich nicht von selber öffnen kann.
Ich würde das Seil mit einem Achterknoten am Ankerpunkt festmachen, den Karabiner* in die Anseilschlaufe des Gurts einhängen, und das Seil mit einem Mastwurf im Karabiner* einhängen. Der Mastwurf hat den Vorteil, dass er sich verschieben lässt. Das ist wichtig, weil Du solltest ja genügend Bewegungsfreiheit zum Arbeiten haben. Andererseits darf das Seil nicht zu lang sein, sonst fällst Du im Fall eines Sturzes zu tief.
Die Höhe des Sturzes ist nicht das Problem, denn ein Kletterseil* dehnt sich um bis zu 30% und fängt den Sturz ab. Je mehr "Schlappseil" Du hast, und je schräger das Seil verläuft (Pendel), desto größer ist aber die Gefahr, dass Du heftig gegen die Wand oder andere Hindernisse geschleudert wirst. Und außer dem Totalabsturz gibt es nichts blöderes, als verletzt und hilflos im Seil zu hängen.
Deshalb halte das Seil möglichst kurz und denk an die Strickleiter, die in Reichweite hängen sollte für den Fall der Fälle.
Die Knoten erklär ich jetzt mal nicht, dazu gibt Google und Youtube Auskunft. Wie gesagt, übe das ganze an einem sicheren Ort vorher. Wenn Du nur die geringsten Zweifel hast, lass es bleiben, oder besser, mach einen Kurs. |
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