Einfach nur altmodisch oder unsportlich + egozentrisch?
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Kletterinfos
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Wolfgang Thurmer 

Beiträge: 2
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Beitrag vom: 07.08.2017 - 17:25
Liebe Klettergemeinde.Ich war dieses Wochenende wieder Mal an einen zurecht sehr beliebten Felsen im Frankenjura. Jetzt habe ich mich schon seit geraumer Zeit damit abfinden müssen, dass auch bei uns Hobbykletterern Rotpunkt nicht mehr gleich Rotpunkt von früher ist (die Exen hängen schon!).
Nun scheint es schon Standard zu sein, alle Exen in "Raupentechnik" von einen Haken zum Nächsten mit den Stock einzuhängen - Kraft und Zeit sparen bei seinem persönlichen Egotrip? Gehts noch besser? Können wir bei unserer Lieblingsbeschäftigung auch nicht mehr sportlich versagen? Die nächstmögliche Steigerung ist dann Rotpunkt gleich im Toprope - da könnten wir alle gleich nochmal einen halben Grad schwerer klettern. Oder wir überspringen diesen Zwischenschritt und nehmen gleich noch die Exen zur Fortbewegung? 🤔
Bin ich der letzte Mohikaner, der so denkt? |
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Joe Wiedemann 


Beiträge: 30
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Beitrag vom: 07.08.2017 - 19:29
Lieber Mohikaner ;), das nennt man hochsticken und ist normale Praxis beim Projektieren. Falls jemand so eine Begehung als RP einstuft, ist das sein Problem .
Eher diskussionswürdig finde ich endlos verlängerte Exen für den Durchstieg - wobei ich das auch schon mal gemacht habe . Es entschärft halt im Kopf auch objektiv ungefährliche Stellen, und so braucht man weniger mentale Stärke... |
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Hartwig Pudzich 


Beiträge: 142
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Beitrag vom: 08.08.2017 - 11:28
Puh, das hat sich im Laufe der Jahre (bin auch schon seit über 20 Jahren dabei) geändert.
Die Frage ist für mich nicht, was und wie ich eine Route gemacht habe, sondern wie ich das kommuniziere - wenn es mir wichtig ist.
Auch die eigene "Wertigkeit" einer Begehung hängt vom Begehungsstil ab, logisch ist "sauber" rotpunkt anspruchsvoller, als pinkpoint - anspruchsvoller als pinkpoint mit verlängerten Expressen, etc.
Ich denke das viele sich aufgrund der geänderten Situation in den Anfangstagen, meine ersten Routen habe ich draussen erlebt, die Routen wurden von unten vorgestiegen (von meinem Seilpartner ), mobile Sicherungen gelegt, etc.
Wenn ich in der Halle mit klettern angefangen hätte, kann ich mir gut vorstellen, das ich einen anderen Eindruck bekommen hätte.
Die Zeiten ändern sich halt
Grüße
Hartwig |
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Andi Müller 

Beiträge: 25
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Beitrag vom: 08.08.2017 - 12:13
Wenn du die Forensuche bemühst, findest du weit mehr zu diesem Thema und wie andere darüber denken.
Frage: hast du deinem Ärger Luft gemacht und die Seilschaft angesprochen, was die da für einen Mist machen und dass ihr Verhalten strafbar ist? Hat sich der Kletterer damit gebrüstet die Route rotpunkt geklettert zu sein? Wenn ja,hoffe ich doch sehr, dass du ihn zurecht gewiesen hast. (Ironie aus)
Ganz ehrlich, ich verstehe die Aufregung nicht. Wenn jemand so klettern mag, soll er es doch tun. Schreibt er sich eine Rotpunkt-Begehung dafür auf, ist es doch seine Sache. Zum einen interessiert es mich in keinster Weise, zum anderen tut er niemanden damit weh. Ich klettere für mich und vergleiche meine eigenen Leistungen miteinander und nicht meine Leistungen mit denen anderer.
Bei den Spitzenkletterern mag es was anderes sein, "da geht es um was." Im weiten Feld der 0815 Kletterer ist es mir persönlich total egal, ob jemand seine Leistung besser verkauft, als sie letztendlich vielleicht war.
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Anna Witt 


Beiträge: 985
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Beitrag vom: 08.08.2017 - 20:24
Ich hab jetzt nicht ganz verstanden, warum du das als Egotrip oder egozentrisch bezeichnest? Zumindest nicht, wenn du es durch diese Begriffe von sonstigem Klettern abgrenzen willst.
Wenn man auf diese Art und Weise projektiert (als Begehung bezeichnet das glaub ich niemand), blockiert man die Route oft wesentlich kürzer, als wenn man zig mal in jeden Haken springt. Ausserdem erspart man vielleicht den übrigen Anwesenden einen Erste-Hilfe-Einsatz u.ä. Schweinereien.
Auch die Route wird bestenfalls weniger abgespeckt.
Schaden tut man niemandem.
Was also ist daran mehr ein Egotrip als bei Clipstickverweigerern? Verstehe ich nicht! |
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Kalle Demetz 


Beiträge: 3324
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Beitrag vom: 09.08.2017 - 10:06
Hallo Wolfgang,
also ich benutze den Clipstick auch und will nicht mehr darauf verzichten. Das hat dann aber nichts damit zu tun, dass ich danach behaupte, ich hätte eine Tour Rotpunkt geklettert. Ich sehe diesen einfach wie bereits erwähnt als Hilfe beim Projektieren und Fotografieren.
Du hast aber schon Recht, dass Rotpunkt heute anders ausgelegt wird als früher.
Meine Meinung: Machs wie Markus und klettere für Dich, erfreu Dich an den schönen Touren und Deinen Erfolgen. Egal was andere so alles machen
LG
Kalle |
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Anna Witt 


Beiträge: 985
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Beitrag vom: 09.08.2017 - 19:59
Das der Begriff "Rotpunkt" heute eigentlich alles bedeuten kann und oft für Topropebegehung benutzt wird, haben wir ja schon festgestellt (siehe Diskussion). Heute hab ich gelernt, dass auch schon Topropebegehungen als "Onsight" (ohne jeden Zusatz) bezeichnet werden. Das vor einem "Onsight" Infos über die Route eingeholt werden, Griffe getickt werden etc. ist ja sowieso schon üblich.
Die Begriffe sind also aus dem Munde vieler Kletterer bis zur Bedeutungslosigkeit entwertet.
Aber darum geht es ja beim Clipstick gar nicht. Ich zumindest kenne noch niemanden, der eine hoch gestickte Route auch nur als irgendeine Art von Begehung bezeichnet. Ach doch, es gibt da so einen Begriff, Martin G. und Reinhard K. werden wissen, welchen ich meine... |
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Tina Fraunholz 


Beiträge: 238
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Beitrag vom: 13.08.2017 - 10:49
@ Wolfgang
Auf deine Frage (Titel deines Beitrages) kann ich nur antworten:
Ja, ja und äähhh JA ( das ist nicht so richtig ausgedrückt)
Ich gehe komplett konform mit Markus Antwort.
Wir sind 08/15 Kletterer und wen interessiert es, ob wir was onsight, flash, rotpunkt, pinkpoint, toperope oder mit 5 x reinsetzen hochkommen oder nicht.....
Ich gebe zu, dass diese Begriffe nicht nur im normalen Kletter-Sprachgebrauch aufgeweicht sind, auch an der Spitze, aber ich bin eher froh darüber, finde die Unterscheidung ziemlich kleinlich und wem die Unterscheidung sooo wichtig ist kann dies ja für sich beanspruchen. Für mich steht der Durchstieg eines Kletterproblems im Vordergrund. Ich schaue hier faszieniert auch Fremden zu und freue mich wenn ein toller Durchstieg gelingt.
Und hier auch mal zwei Beispiele:
manchmal wird eine Exe auch verlängert, weil der Seilverlauf sonst schlecht ist..... ist das dann keine Pinkpoint mehr? oder muss ich dann beweisen, dass ich auch den Haken hätte einhängen können ?
oder man lässt den Sicherungspunkt gleich aus, ist dies nun auch keine richtige Begehung mehr, weil man zu schwach war den Haken zu klippen?
Also seht das doch einfach ein wenig entspannter.... und habt Spass am Klettern ( ohne Konkurrenzdenken) und am Projektieren
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Anna Witt 


Beiträge: 985
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Beitrag vom: 13.08.2017 - 21:36
Hi Tina, Wolfgang hat doch sinngemäss geschrieben, dass er sich mit Rotpunkt = Toprope u.ä. schon abgefunden hat.
Es ging ihm hier um die Verwendung von einem Clippstick.
Und ich glaube nicht, dass ihn hier Konkurrenzdenken leitet, sonst lediglich der Gedanke, dass es für ihn "unsportlich" ist, sich der psychischen Herausforderung, auch das erste Ausbouldern im Vorstieg zu absolvieren, nicht zu stellen.
Allerdings war es soweit mir bekannt schon zu Beginn der Rotpunktära üblich, Routen zunächst im Toprope auszubouldern, bevor diese dann heroisch vorgestiegen wurden.
Im übrigen habe ich kein Problem mit jeder Art von Begehung. Interessant ist nur, dass die, die angeblich so locker sind, immer Rotpunkt hinter ihre Begehungen schreiben. Warum schreiben sie dann nicht ganz ehrlich, nicht kleinlich und ohne Konkurrenzdenken einfach "geklettert" dahinter?
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Florian Nixmann 

Beiträge: 63
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Beitrag vom: 14.08.2017 - 19:19
Hallo, Tina!
Ich habe den Eindruck, daß du trotz all der Diskussionen hier immer nich nicht den Unterschied zwischen Rotpunkt und Pinkpoint verstanden hast. Du fragst, ob man bei einer verlängerten Schlinge noch beweisen muß, ob man auch den Haken hätte einhängen können, um es dann pinkpoint nenen zu können!---Nein!!! Natürlich nicht, denn den Haken muß man nur einhängen können, wenn es ein Rotpunkt sein soll! In deinem Fall ist eine Schlinge drin, egal wie lang, und deswegen ist es Pinkpoint! Nur mehrmaliges Nachklippen von Expreßschlingenketten ist natürlich auch kein Pinkpoint mehr.
Dann fragst du, ob das Auslassen von Haken bedeutet, daß es keine "richtige Begehung" mehr ist. Natürlich ist das immer nicht nur eine richtige Begehung, sondern auch ein Rotpunkt oder ein Pinkpoint, je nachdem ob Expreßschlingen hängen oder nicht! (Außnahme Plastikwettkämpfe: Die Regel besagt, daß alles eingehängt werden muß).
Auch ich bevorzuge, je nach Route, verschiedene Begehungsstile, bin mir aber dessen bewußt und nenne nicht alles Rotpunkt oder gar Onsight, wenn Haken mit dem Stock vorgehängt wurden.
Ich habe mal eine Begunhung einer 11- gesehen, bei der der 4. Haken vorgehängt war. Am nächsten Tag tauchte diese Begehung als Rotpunkt im Netz auf.
lg Flori |
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