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Sicherungstechnik
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Nicolas Benezan 


Beiträge: 71
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Beitrag vom: 21.07.2017 - 15:35
Zitat: musst du auch jeden Raucher davon abhalten, seine Zigarette zu rauchen, die Motorradraser in der Fränkischen stoppen und vorm Everest eine Mauer bauen. Ne, ich sehe es absolut nicht als meine Verantwortlichkeit an, erwachsene Menschen davon abzuhalten, selber zu entscheiden, welches Risiko sie eingehen wollen.
Korrekt, aber wenn man von unfreiwilligen Passivrauchern mal absieht, gefährdet ein Raucher wenigstens (fast) nur sich selbst. Der Vorsteiger hatte aber zwei vermutlich nicht volljährige Jugendliche dabei, die offfensichtlich nicht mal seine eigenen Kinder waren. Ob denen das Risiko wirklich bewusst war? Jetzt leuchtet mir auch wieder ein, warum es in manchen Kulturen Blutrache gibt. Zumindest in einigen Sonderfällen macht das dann moralisch doch marginal Sinn, damit die "natürliche Auslese" dann auch denjenigen trifft, der Schuld war. Ok, jetzt wirds sarkastisch, lassen wir das...
Wir machen das normalerweise so: Wenn wir z.B. in der Halle jemanden bei Sicherungsfehler erwischen, spechen wir ihn erst mal ganz vorsichtig an wie z.B. "Darf ich einen Tip geben? Ich würde das so&so machen, weil der Vorteil ist, dass dann XY nicht passieren kann." Dann merkt man gleich, wie derjenige reagiert, und ob es sinnvoll ist, sich weiter mit ihm zu befassen. Es gibt Leute die sind dankbar für Verbesserungsvorschläge, und es gibt andere mit ausgeprägter Beratungsresistenz. Das Problem bei obigem Fall war ja, dass solange nur "Dimitri" geklettert ist, ja alles noch im grünen Bereich war, und es danach eigentlich schon zu spät war, sich klammheimlich zu verdrücken.
Klar, wenn was passiert wäre, hätte ich wahrscheinlich stundenlange Verhöre und wenns dumm läuft auch noch Gerichtsverhandlungen über mich ergehen lassen müssen. Aber ich hab zumindest vor meinem eigenen Gewissen das richtige gemacht, denke ich. Als Laie (d.h. ohne Trainer-Ausbildung) kann man sich immer rausreden, dass man nicht noch mehr helfen hat können. Schließlich wird man bei Erste-Hilfe-Maßnahmen auch nie verurteilt, auch wenn man (aus Unwissenheit, Schusseligkeit usw.) was falsch macht. Nur wenn man gar nichts macht, ist es unterlassene Hilfeleistung.
Eine Straftat, die man bei der Polizei hätte anzeigen MÜSSEN, liegt mW. nicht vor, wenn derjenige nicht vorsätzlich handelt, und die Jugendlichen freiwillig dabei sind. Evtl. könnte man irgend einen Paragrafen finden, der rechtfertigt, dass man die Polizei rufen KÖNNTE, und die einen Platzverweis ausspricht, aber ich bin kein Jurist, und auch die Polizei hat wahrscheinlich zuwenig Ahnung, den Grad der Gefährdung genau beurteilen zu können.
Dass solche Stories immer gleich in juristischen Debatten enden, ist übrigens auch typisch "deutsch", und ich meine das eher negativ. Ich glaube, in keinem anderen Land außer vielleicht noch den USA ist das so auffällig. Ich glaube, bei der Mehrzahl der "Pleiten-Pech&Pannen-Videos" könnte man auch nach dem Anwalt rufen. Man kann sich darüber aber auch nur einfach köstlich amüsieren.
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Anna Witt 


Beiträge: 985
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Beitrag vom: 21.07.2017 - 21:58
Hi Nicolas, nö, ich finde dein Handeln inkonsequent. Wenn du eingreifst und wenn du eine Fremdgefährdung siehst, musst du dann eigentlich auch richtig eingreifen. Das heisst in deinem Fall, den Erfahrenen davon abzuhalten, die beiden Anfänger, die die Gefahr nicht einschätzen können, zu gefährden. Aber ganz besonders dein Kursleiter wäre in der Verantwortung gewesen.
Vielleicht ist es deutsch, vielleicht ist es aber auch intelligent, sich über rechtliche Folgen des eigenen Handelns Gedanken zu machen. Aber auch moralisch könnte man über euer Verhalten diskutieren, da es ja um die Gefährdung von Menschen ging, die das Risiko nicht einschätzen konnten.
Und im Endeffekt war euch das ja dann doch egal. Für die Ignoranz des Anführers konnten ja die beiden Anhängsel nichts.
Ich überlege mir halt in solchen Situationen, ob ich bereit bin konsequent durchzugreifen oder nicht.
Aber das kann man alles diskutieren.
Die Polizei wäre in der Tat wahrscheinlich äusserst überfordert. Aber was willst du machen, wenn z.B. Erwachsene das Leben von Kindern gefährden und sich davon auch von dir nicht abhalten lassen? |
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Florian Nixmann 

Beiträge: 63
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Beitrag vom: 22.07.2017 - 00:09
Hallo!
Wirkönnen solche Leute wie "Dimitri" leider nicht fesseln und am nächsten Haken festsetzen, um seine "Schützlinge" vor ihm zu schützen. Denn: Dann hätten wir eine Klage wegen Freiheitsberaubung am Hals. Außerdem sind wir nicht befugt, jemanden festzuhalten und schon gar nicht festzunehmen oder festzusetzen. Und wo sind wir da? Bei der germanischen Rechtsprechung! Und obwohl ich sowohl diese Judikative als auch unsere Exikutive für nicht besonders schlau, ehrlich oder gar intelligent und glaubwürdig halte, so müssen wir leider doch die Tatsachen akzeptieren. Und diese bedeuten für idealistische Helfer möglichweise das totale Desaster, wenn die "Geholfenen", die es nicht kapiert haben, Andere fallen lassen und den Idealisten dann die Schuld anhängen wollen (ist schon vorgekommen)!
Und ich möchte warnen: Vergeßt die Polizei - die haben von nix null Ahnung! Rechnet immer mit Anwälten, denen Rechtslücken wichtiger (nützlicher) sind als jegliche Moral. Und Richter haben von Kletterdingen eh überhaupt keine Ahnung. Da muß immer irgendein Sachverständiger her, der auch keine Ahnung hat, aber ein paar tausend Euro zu den Prozeßkosten beisteuert. Also wartet nix als der Rechtssumpf auf euch ... und der ist laaaaaaangwierig, auch wenn ihr eigentlich nur helfen wolltet.
Euer darüber trauriger Flori
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Tina Fraunholz 


Beiträge: 238
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Beitrag vom: 22.07.2017 - 09:36
Ja, lassen wir doch bitte mal die rechtliche Diskussion weg, man könnte ja grad meinen jeder von uns hätte das schon mal erlebt....
Ich denke, auch wenn hier " Hallendeppen, die auch mal an Fels wollen" sich gefährden, will wohl keiner danebenstehen wenn hier ein tödlicher Unfall passiert. Und auch wenn die "Hallendeppen" nie deine Kletterpartner werden, sind es Menschen, die du in anderer Lebenssituation vielleicht gern hättest, zumindest haben diese Freunde, Eltern, Verwandte, die sie gern haben.
Also gibt es einen praktikablen, einheitlichen Weg, wie man diese Leute aus der Gefahr bringt?
Das Beispiel von Nicolas, dass in seiner Halle die Leute höflich darauf angesprochen werden finde ich zwar ganz gut, aber was höflich ist oder gemeint ist, ist oft auch Auslegungssache.
In Nicolas Fall ( vielleicht finde ich, hier den Mut das mal so zu machen) hätte ich einen Vorschlag, falls es hier keine Sprachbarriere gibt:
Stell dich mit dem Handy hin:
"Hallo spreche ich hier mit der Kletterpolizei... Ja, gut! Ich beobachte hier eine Seilschaft am XY-Fels in der Route AB, der Vorsteiger kann zwar ganz gut klettern, aber sein Sicherungspartner weiß nicht wie man das Sicherungsgerät* bedient, er hält das Bremsseil nicht fest , und wenn dann über der Sicherung etc. . Würden Sie bitte mit Blaulicht vorbeikommen und die Seilschaft vom Fels entfernen? Nein? aber auch höfliche Anregungen und Tipps haben nicht geholfen! Aaaahhh! Sie haben noch zu viel mit dem gestrigen Kletterunfall zu tun,.. tödlich? Nein, zum Glück nicht.. nur querschnittsgelähmt.... das ist ja gut zu hören. Aber in einer Stunde können sie doch da sein? Gut vielleicht hat die Seilschaft hier ja noch so lange Glück und es passiert nichts...." |
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Florian Nixmann 

Beiträge: 63
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Beitrag vom: 04.08.2017 - 15:15
Hi!
Ich habe vor ein paar Tagen wieder mal genau so eine Situation erlebt.
Ein tschechischer Papi war mit seinen Kindern (<10 Jahre alt) am Fels. Bubi sichert Mädel - naja, das war wohl das Vorhaben, aber: Die kleine klettert zum hohen ersten Haken einer 5-, bekommt dort aber keine stabile Position zum einhängen. Bubi ist offensichtlich völlig unbeeindruckt. Irgendwann kommt Papi dann doch mal und stellt sich unten hin, spottet aber nicht wirklich. Zum Glück kriegt sie den Haken eingehängt. Also gehts weiter. Bubi geht 5m vom Fels weg, weil man das scheinbar so macht, wenn der erste Haken eingehängt ist .
Mädel klettert weiter und schafft es auch, den 2. Haken einzuhängen. Bubi ist offensichtlich schwer gelangweilt, schaut in der Gegend herum, steht immer noch 5m vom Fels entfernt und hält das Seil hin und wieder nur oberhalb des ATC fest !!!
Papi steht in der Gegend herum und merkt nix davon - wahrscheinlich wußte er es auch nicht wirklich besser.
Schlußendlich ist diese Route noch verletzungsfrei zuende gebracht worden, wie meist erstaunlicherweise ...
Naja, zum Glück mußte ich dann eh los. Ob die Kinder es überlebt haben, weiß ich nicht, aber ich habe nix von einem Unfall gehört. Wenn die so weitermachen, ist das aber leider nur eine Frage der Zeit ...
Euer Flori |
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Bernd Giehl 

Beiträge: 12
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Beitrag vom: 15.01.2018 - 12:57
Ja, sowas kenne ich auch. Vor allem wenn Hallenkletterer rausgehen und meinen sie wüssten alles...  |
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