Kletter ABC - Fachbegriffe verständlich erklärt
(Bericht von Extremklettern.de)



Wem ist es nicht schon mal so gegangen, dass er sich über ein Thema informieren wollte und zur Antwort nur Fachbegriffe erhalten hat. Deshalb dieses Kletter ABC. Um jedoch sämtliche Begriffe verstehen zu können, wirst Du Dich auch praktisch mit dem Thema auseinandersetzen müssen.

Klettern... was soll das denn???


Abseilachter
Ein Gerät in Form einer 8. Dieser Achter wird zum Abseilen verwendet. Häufig benutzen ihn Kletterer wegen der leichteren Handhabung auch zum Sichern, was jedoch wegen der geringen Bremswirkung sehr umstritten ist.









Bandschlingen
Bandschlingen sind Bänder, die zu einem Kreis vernäht oder verknotet werden. Diese Schlingen können sehr flexibel zur Absicherung von Klettertouren eingesetzt werden.

Bouldern
Unter Bouldern versteht man Klettern auf Absprunghöhe. Das heißt, die Touren sind Quergänge knapp über dem Boden oder sie sind nur wenige Meter hoch. Häufig wird zum Dämpfen der Stürze ein Crash Pad benutzt. Der Vorteil am Bouldern liegt darin, dass schwerste Passagen sehr oft probiert werden können und sich durch dieses intensive Training schnell Leistungssteigerungen erzielen lassen. Häufig wird diese Spielform des Kletterns aber auch belächelt, weil erstens eine richtige Klettertour erst ab 10 Metern losgeht und zweitens der psychische Faktor (Sturzangst) fehlt.

Crash Pad
Ein Crash Pad ist eine Schaumstoffmatte, die beim Bouldern Stürze dämpft und so das Verletzungsrisiko mindert. Das Crash Pad wird aber von faulen Kletterern auch zweckentfremdet, indem sie sich während der verlängerten Kletterpausen ein ruhiges Plätzchen suchen und ......zzz

Crux
Die Crux, auch Schlüsselstelle genannt, ist die schwerste Stelle beim Durchstieg einer Klettertour. Dabei muss diese Stelle nicht unbedingt die schwerste Einzelstelle sein - oft stellt auch ein schwerer Zug am Ende einer Tour diese Crux dar, weil die Kraftreserven aufgebraucht sind.

Expressen
Unter Expressen (auch Runner oder Pärchen genannt) versteht man zwei Karabiner, die mit einer vernähten Bandschlinge verbunden sind. Sie werden hauptsächlich zum Einhängen des Seils in eine Zwischensicherung verwendet. Durch unterschiedliche Längen der Schlingen kann beispielsweise das Einhängen vereinfacht oder der Seilverlauf verbessert werden.

Flash
Ein Flash ist eine im ersten Versuch gekletterte Tour, nachdem man einen anderen Kletterer in der Tour gesehen oder von ihm Tips erhalten hat.

Friend
Der Friend ist ein Klemmapparat, der wie auch Klemmkeile zum Absichern von Klettertouren dient. Er kann sowohl als Zwischensicherung als auch zum Bau von Standplätzen eingesetzt werden. Die Besonderheit der Friends und ähnlichen Klemmgeräten besteht darin, dass sie für Risse, die auch nach außen etwas breiter werden können, geeignet sind. Es gibt inzwischen viele Varianten und Weiterentwicklungen der Friends.

GriGri

Das GriGri ist ein sehr praktisches Sicherungsgerät das bei falscher Anwendung aber auch gefährlich sein kann. Deshalb muss die Handhabung vor der ersten Anwendung geübt und das Sicherungsseil stets fest gehalten werden.






HMS

Halbmastwurf - ein Sicherungsknoten. Weil seine Bremswirkung gegenüber dem Achter höher ist, sollte der HMS als bevorzugtes Sicherungsmittel eingesetzt werden.






Klemmkeil

Klemmkeile sind Metallkeile, mit denen Klettertouren abgesichert werden können. Ihr Einsatzbereich reicht von Rissen über Löcher bis Sanduhren.






Klettergarten
Unter einem Klettergarten versteht man ein Klettergebiet mit meist niedrigen Felsen (10 - 50 Meter), in dem die Klettertouren gut abgesichert sind. Deshalb können in einem Klettergarten mit minimalem Risiko auch Stürze riskiert und somit Touren an der persönlichen Leistungsgrenze geklettert werden.

Klettersteig
Ein Klettersteig ist eine Klettertour, die mit Stahlseilen und Leitern abgesichert ist. Dabei wird dem Kletterer aber eine Sicherheit vorgegaukelt, die nicht existiert. Ganz im Gegenteil - bei einem Sturz lebt man in einem Klettersteig wesentlich gefährlicher, als in einer normalen Klettertour. Ganz abgesehen vom Verletzungsrisiko durch die Stahlseile und Leitern tritt für den Kletterer auch ein wesentlich höherer Sturzfaktor auf. Deshalb sollte man bei der Begehung eines Klettersteigs unbedingt auf die entsprechnde Ausrüstung achten!

Nachstieg
Diese Sicherungsmethode ist ähnlich dem Top Rope. Der Nachsteigende klettert dem Vorsteiger hinterher und entfernt dabei sämtliche Zwischensicherungen, damit sie für die weiteren Seillängen wieder verfügbar sind. Für die Sicherung bedeutet das, dass das Seil immer von oben kommt und somit ein Sturz ausgeschlossen werden kann.

Onsight
Eine Tour gilt als Onsight geklettert, wenn sie ohne Besichtigung im ersten Versuch im Vorstieg durchstiegen wurde.

Rotpunkt
Als die Sportkletterbewegung den Sprung über den Ozean geschafft hat, begann Kurt Albert, einer der deutschen Sportkletterpioniere, an frei durchstiegene Kletterrouten einen roten Punkt zu malen. Dieser Rote Punkt wurde zum Symbol des Freikletterns. Heute nennt man eine Tour rotpunkt geklettert, wenn sie ohne technische Hilfsmittel und ohne im Seil zu hängen im Vorstieg durchstiegen wurde.

Sanduhren
Sanduhren sind durchgehende Löcher im Fels, bei denen der Anfang und das Ende so nah zusammen liegen, dass man Schlingen und Klemmkeile durchfädeln kann (meist 10-30 cm). Bei kompakten Fels stellen bereits Sanduhren in Fingerdicke eine sehr zuverlässige Sicherungsmöglichkeit dar. Man sollte eine Sanduhr vor dem Fädeln auf alle Fälle auf Risse und Festigkeit überprüfen.

Standplatz
Standplätze werden bis auf Ausnahmen nur für längere Klettertouren benötigt. Die meisten Kletterseile sind zwischen 60 m und 70 m lang. Um Routen mit mehreren hundert Metern klettern zu können muss man die Tour in Etappen aufteilen, den sogenannten Seillängen. Zur Praxis: Ein Kletterer steigt eine Seillänge voraus und sichert sich auf dem Weg mit Zwischensicherungen. Am Ende der Seillänge baut er dann einen durch mehrere Sicherungen am Fels fixierten Standplatz auf. Dabei ist darauf zu achten, dass der Standplatz nach allen Richtungen hält und auch beim Versagen eines Sicherungspunktes (z.B. beim Ausbruch einer Sanduhr) funktionstüchtig bleibt (Redundanz).

Sturz
Der Sturz ist die Konsequenz, wenn ein Kletterer eine Stelle klettern möchte, die seine Fähigkeiten überschreitet. Während beim alpinen Klettern der Sturz möglichst vermieden wird, wird er beim Sportklettern als fester Bestandteil mit einkalkuliert. In den meisten Situationen ist ein weiter Sturz für den Kletterer angenehmer ist als ein kurzer, weil dadurch mehr Seil ausgegeben und der Bremsweg länger ist. Weil also für das Sportklettern der Sturz zum Alltag gehört, sollte man ihn auch in sicherer Umgebung trainieren.

Sturzfaktor
Unter Sturzfaktor versteht man die Länge des Sturzes geteilt durch die ausgegebene Seillänge. Da das Seil einen Großteil der Energie eines Sturzes aufnimmt, kann man aus dem Sturzfaktor auch auf die Härte des Sturzes auf den Kletterer schließen. Dabei verhalten sich die einzelnen Faktoren zueinander nicht linear sondern exponentiel. Jetzt noch was zum Nachdenken - während beim Klettern ein maximaler Sturzfaktor von 2 erreicht werden kann, können bei einem Klettersteig ohne weiteres Faktoren um 6 auftreten!!!

Top Rope
Unter Top Rope versteht man eine Sicherungsmethode, bei der das Seil durch eine Umlenkung am oberen Ende einer Kletterroute läuft. Der Sichernde steht am Wandfuß, während der Kletternde immer von oben gesichert wird. Richtig ausgeführt ist diese Sicherungsmethode absolut sicher, weil der Kletternde nur ein paar Zentimeter ins Seil rutschen kann.

Vorstieg
Es ist das Ziel des Kletterers, eine bestimmte Tour im Vorstieg zu durchsteigen. Unter Vorsteigen versteht man, eine Route zu klettern und dabei das Seil von unten hinter sich herzuziehen und alle paar Meter in eine Zwischensicherung einzuhängen. Bei einem Sturz fliegt der Kletterer die doppelte Höhe, die er über der zuletzt eingehängten Zwischensicherung steht.

Wolfgang Güllich
Wolfgang Güllich war der wohl beste Kletterer der damaligen Zeit (er starb 1992 bei einem Autounfall). Mit Routen wie Wallstreet und Action Direct schaffte er Meilensteine, die auch heute noch die absolute Leistungsgrenze darstellen. Besonders erwähnenswert ist seine sympatische Art, die leider viele der heutigen Spitzenkletterer missen lassen.

Zwischensicherung
Eine Zwischensicherung hat die Aufgabe, die Sturzhöhe des Kletterers zu reduzieren. Dazu hängt der Kletterer alle paar Meter eine Expresse (auch Pärchen oder Runner genannt) an einen Fixpunkt (z.B. Haken oder Sanduhr) am Fels ein. In den zweiten Karabiner der Expresse wird dann das Seil eingehängt. Es ist nicht dringend notwendig, dass mittels Zwischensicherungen die Sturzhöhe gering gehalten wird (häufig sind weitere Stürze für den Kletter sogar angenehmer als Kürzere). Aber es ist darauf zu achten, dass der Kletterer bei einem Sturz ein möglichst geringes Verletzungsrisiko hat, also weder auf den Boden oder auf einen Felsvorsprung aufprallen sollte (letzteres hört sich logisch an, muss jedoch bei vielen Klettersituationen - bsp. beim Einhängen des zweiten Hakens - besonders beachtet werden).


Weitere Begriffe rund ums Klettern findest Du bei Wikipedia



Zu guter letzt...

Absturz - muss nicht unbedingt was mit Klettern zu tun haben *g*







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