Eigene Einschätzung & Beurteilung beim Bouldern
Kletterforum ->
Trainingslehre
|
|
|
|
Thomas Spandl 


Beiträge: 194
|
Beitrag vom: 29.07.2011 - 09:27
Ich war letzten Dienstag in der Kletterhalle in Bensheim Bouldern & hatte an den Tag das erste Mal mehrere 7b+ gebouldert & geschafft. Für mich eine neue Bestleistung.
Das Problem dabei war, das ich alleine war & nicht beurteilen kann, ob ich die Routen richtig (Technisch) gebouldert habe, oder ob ich mich meistens oder zuviel mit Kraft hoch gezogen habe.
Dazu die Frage: wenn Ihr alleine das erste mal eine neue Route schafft zu Bouldern, wie Beurteilt Ihr das selber? Oder auch, wie kann man das selber einschätzen & beurteilen?
Ich bin der Meinung: geschafft ist nicht gleich geschafft
|
| Seitenanfang |
|
|
|
Thorsten Wild 


Beiträge: 601
|
Beitrag vom: 29.07.2011 - 09:42
Ist tatsächlich immer eine Betrachtungsweise.
Zunächst würde ich nicht wirklich viel auf den Grad geben. Hab am Anfang auch immer zu sehr auf den Grad geschaut, nur mittlerweile boulder ich gerade bei uns in den Silos eine 6er und eine 4+ aus. Wenn man die Grade miteinander vergleich muss man sich jetzt fragen ob mir eine bestimmte Technik fehlt...dann würde ich aber antworten: Ja, jede. - denn beide Routen haben unterschiedliche Schraubungen und es sind nicht die gleichen Probleme an denen ich verrecke (ausser teilweise die Siloatmosphäre und die Höhe).
Besonders seit dem ich in mehreren Hallen unterwegs bin stelle ich immer wieder fest ich probiere eine eine 5er aus und entscheide dann in welchem Grad ich mich in der Halle bewegen will um Spaß zu haben (HG 4-6, Thalkirchen 6-7, T-Hall 5-7). Draußen ist es genauso (Brauneck 5-7, Schriesheim:4-5).
D.h. es kommt natürlich auf deine Stärken und Schwächen an. Desweiteren wie die Routen/Probleme bewertet wurden.
Wenn das dann alles für dich stimmt und du als Gradjäger unterwegs bist , dann würde ich noch bewerten wie du die jeweilige Route/Problem gehandelt hast: Flash, On Sight, Rotpunkt etc.
Ich selber lerne gerade in den letzten Wochen und besonders in den letzten Tagen das für mich das eigene Gefühl da sein muss es geschafft zu haben.
Oder anders ausgedrückt:
Für mich ist etwas geschafft wenn ich voller Zufriedenheit daran zurückdenke und mir sage schön war es. Damit meine ich nicht nur das Erlebnis an sich, sondern das ich auch damit zufrieden bin wie ich das Ziel erreicht habe. Es ist für mich mittlerweile ein großer Unterschied ob ich mit letzter Kraft den letzten Griff gekriegt habe und mich irgendwie hoch gezogen habe (nicht geschafft) oder ob ich zwar am Ende meiner Kraft aber mit Kontrolle etwas durchstiegen bin.
Es liegt also meiner Meinung nach bei dir selbst wie du es einschätzt und beurteilt.
Bei Wettkämpfen gibt es genau die gleichen unterschiedlichen Einstellungen. Teilweise gibt es Wettbewerbe wo es nur darauf ankommt weiter als alle anderen zu kommen und manchmal gibt es auch Punkte wie man das Ziel erreicht hat. |
| Seitenanfang |
|
|
|
Thomas Spandl 


Beiträge: 194
|
Beitrag vom: 29.07.2011 - 09:52
Der spruch gefiel mir: "Für mich ist etwas geschafft wenn ich voller Zufriedenheit daran zurückdenke und mir sage schön war es"
Ich war ja am Dienstag als Gradjäger unterwegs. Hab die Routen 4xRotpunkt gebouldert.
Ich finde es halt immer noch schwer zu beurteilen, wenn man das erste mal eine neue Route geht & niemand kann dir mal ein Feedback geben
Ich denke mal, das heist für mich: öfters hinfahren & hoffen das mal jemand das ist, der mal Feedback geben kann.
Ist halt schwer, wenn man alleine unterwegs ist |
| Seitenanfang |
|
|
|
Anzeige
|
Thorsten Wild 


Beiträge: 601
|
Beitrag vom: 29.07.2011 - 10:22
Thomas:Ich war ja am Dienstag als Gradjäger unterwegs. Hab die Routen 4xRotpunkt gebouldert.
Und hast du sie nach meiner Definition geschafft (s.o.) oder nur gerotpunktet?
Bezüglich des Feedbacks ist es natürlich immer ganz nett wenn man es kriegt. Aber ich denke nicht das es zur Beurteilung, ob du die Routen erfolgreich gegangen bist, wichtig.
Feedback ist für mich mittlerweile beim Techniktraining wichtig, damit ich Schwächen aufdecke und daran arbeiten kann.
Aber ob ich eine Route geschafft habe (s.o.) ist für mich das Feedback nicht erforderlich. Das stelle ich für mich alleine fest und ich denke da bin ich selbstkritisch genug (hatte erst in der Boulderwelt so ein Erlebnis, bei dem ich hören durfte das das alles technisch gut aussah...ich bin den Boulder trotzdem noch mal gegangen...denn ich hatte ihn für mich nicht geschafft. |
| Seitenanfang |
|
|
|
Michael Weigel 


Beiträge: 45
|
Beitrag vom: 01.08.2011 - 14:16
Gibt es beim Bouldern jetzt auch schon "rotpunkt"?
Ich dachte es gäbe nur geschafft oder runtergefallen. 
Wenn ich einen schweren Boulder im 20ten Versuch endlich geschafft habe, dann kommt meistens noch der "Feinschliff": Züge, die ich nicht schön fand versuche ich zu optimieren, bis es "rund" läuft.
Wenn man mich fragt, wie gut ich beim Routenklettern bin, dann stapel ich gerne tief und sage glatt 7. Ich habe zwar auch schon mal eine 8+ gepunktet, aber erst im x-ten Versuch. Siebener dagegen kann ich oft on-sight und auch draußen käme ich wohl kaum in die Verlegenheit, Material opfern zu müssen, weil ich irgendwo nicht raufkomme.
Kleine Anekdote aus einem meiner Kurs: Privattraining im Heavens Gate, zwei junge Burschen wollen an ihrer Technik feilen. "Wie kommen wir vom 8. in den 9. Grad?" Im ersten Moment fühlte ich mich als 7er-Kletterer überfordert und schickte die beiden erstmal in eine 6+. Muß ja erstmal wissen, wie es bei denen so ausschaut mit der Technik. Beide versagten kläglich. Als ich dann mal nach dem 8. Grad fragte, den beide angeblich beherrschten kam die Antwort: "Letzte Woche sind wir in Thalkirchen eine 8- im Toprope raufgekommen und haben nur 5 oder 6 andere Griffe hergenommen." *lach* |
| Seitenanfang |
|
|
|
|
|
|
Michael Weigel 


Beiträge: 45
|
Beitrag vom: 02.08.2011 - 08:05
Die Schwierigkeitsgrade sind ja eh immer subjektiv. Und es gibt Hallen, in denen diese Subjektivität auch noch gefördert wird. Thalkirchen z.B.
Ich habe noch eine Anekdote aus dem Heavens Gate: Zwei Kletterer verirrten sich in die dunklen Pfanni-Gewölbe. Treppe runter, Rucksäcke ablegen, Routen anschauen. Kommentar: Hier gibts ja nichtmal einen 10er! Das wird ja langweilig.
Die erste Route wird ausgesucht, eine 8-, zum aufwärmen. An der ersten schweren Stelle, 2m über der Silokante, scheitert der Vorsteiger. Kommt runter mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn. Ihm fehlt die passende Idee. Der Kumpel steigt ein, schaffts auch nicht. Sie betrachten die Stelle, fachsimpeln über mögliche Lösungen. Eine Stunde und 8 Versuche später hängt das Seil schon 3 Haken höher. Die Jungs ziehen das Seil ab und verlassen frustriert und nörgeld die Halle.
Der Vorteil an so harten Bewertungen: Was man im HG schafft, das kann man sich aus draußen zutrauen. |
| Seitenanfang |
|
|
|
Anzeige
|
Thorsten Wild 


Beiträge: 601
|
Beitrag vom: 02.08.2011 - 08:58
Kann ich nur bestätigen und auch deine Erlebnisse beobachte ich häufiger bei uns.
Wobei mir dabei gerade einfällt...wir haben drei neue Silorouten von unseren Schraubern spendiert bekommen. Sind zwar jenseits meines Levels aber für dich wahrscheinlich richtig nett...6+, 7- und 7. Haben ein paar echt nette Knackstellen.
Aber genau wegen dem HG komme ich mittlerweile zu dem Schluss das die Routengrade nur einen groben Ansatz bieten und man sich nicht zu viel darauf einbilden sollte, wenn man irgend einen bestimmten Grad geschaft hat. Es ist ja z.B. auch ein riesiger Unterschied ob man eine 6+ auf 12 Meter klettert und die Knackstelle kommt nach 9 Metern, oder ich kletter eine 6+ und die Knackstelle kommt nach 20 Meter Kletterei.
Natürlich kann man das alles durch Kraftausdauer etc. kompensieren, aber irgendwie spielt der Kopf dann halt auch noch mit...besonders da im HG bei einigen Routen die Exenabstände im hohen Routenbereich (über 15 Meter) ja nicht unbdingt bei den 90 cm aus Thalkirchen liegen sondern sich auch mal gerne etwas weiten (gefühlte 5 Meter...was aber nicht der Fall ist). |
| Seitenanfang |
|
|
|
|
|
|
Thorsten Wild 


Beiträge: 601
|
Beitrag vom: 02.08.2011 - 12:10
Zitat: Respekt - 7b+ FB entspricht einer Klettertour im unteren 10. Grad. Bei einer Routenbewertung sind wir da immer noch bei 9
Und mir würden die Sehnen reißen, geschweige denn das ich das auch nur im Ansatz klettern könnte. Wenn ich daran denke das Thomas mit mir zusammen angefangen hat, bin ich immer wieder neidisch.
Zitat: Wenn die Bewertung stimmt und Du sie sauber geklettert hast, dann brauchst Du Dir diesbezüglich keine Gedanken machen und kannst einfach stolz auf Deine Leistung sein. Wenn Du beim Fußball einTor schießt, dann zählt auch nicht, wie der Ball ins Tor gekommen ist, sondern, dass er drin war
Nur das man im Gegenzug beim Klettern mit sich selber zufrieden sein muss. Und dafür liebe ich unseren doch leicht egoistischen Sport...Geschafft/Erfolg bedeutet das man es für sich selbst sauber gepackt hat.
Zitat: Obs bei Bouldern jetzt Rotpunkt gibt oder nicht weiß ich nicht. Aber ich denke, jeder hier weiß so, was gemeint ist und darum geht es doch: eine Tour mehrmals probiert und dann an einem Stück durchgestiegen
Das war es, was ich meinte. Danke für die Erläuterung.
|
| Seitenanfang |
|
|
|
|
|